CHAVERIM - Freundschaft mit Israel e.V.
Anerkannter Kulturträger der Stadt Norderstedt
es tut mir Leid, dass der erste Newsletter des neuen Jahres erst heute kommt. Ich wurde schon mehrfach gefragt, wo er denn bliebe. Das freut mich sehr, zeigt es mir doch, dass der Newsletter gern gelesen wird. Dieser Newsletter ist gespickt mit vielen Informationen, Berichten und Tipps, allen voran die erfreulichen Nachrichten, dann Einladungen zu drei CHAVERIM-Veranstaltungen, zwei Buch-Tipps und ein Ausgeh-Tipp. Der ist in Tel Aviv, und wer mit uns vom 25. Februar bis 4. März nach Israel fliegt, um am 1. März den Norderstedt-Wald einzuweihen, hat die Chance, diesen Ausgeh-Tipp in Tel Aviv zu testen!
Erfreuliche Nachricht 1: Wir gratulieren Shlomo Bistritzky zur Wahl zum Landesrabbiner Hamburg! Einstimmig wurde der Chabad Lubawitsch Rabbiner von Vorstand und Beirat der Jüdischen Gemeinde Hamburg gewählt. MASAL TOV !!! Mehr lesen Sie bitte unten.
Erfreuliche Nachricht 2: Immer mehr arabische Frauen in Israel haben einen Beruf. Auch ultraorthodoxe, junge Juden würden sich ihren Lebensunterhalt immer mehr mit eigener Arbeit verdienen. Das ergab eine Untersuchung des israelischen Sozialversicherungsamts.
Einladung 1 - Mittwoch, 18. Januar, 19.30 Uhr:
Info-Abend über die Reise zum Norderstedt-Wald
Der Norderstedt-Wald im Wald der deutschen Länder an der Negev-Wüste in Israel wird am 1. März eingeweiht. Eine Delegation aus Norderstedt mit Stadtpräsidentin Kathrin Oehme, Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote und Vorstandsmitgliedern des Norderstedter Vereins Chaverim – Freundschaft mit Israel wird mit Norderstedter Bürgern dabei sein. Die Einweihung des Norderstedt-Waldes ist mit einer Rundreise durch Israel verbunden. Antike Stätten stehen ebenso im Programm wie kulturelle und gesellschaftliche Begegnungen, der Besuch von Jerusalem, Bethlehem und Tel Aviv, Haifa, Galiläa und dem Toten Meer. Zum Info-Abend über die Reise lädt der Verein Chaverim zu Mittwoch, 18.Januar, 19.30 Uhr, ins Rathaus Norderstedt, Raum 130/131 (erster Stock hinter der Galerie), Rathausallee 50, ein. Für die Israelreise gibt es noch freie Plätze. Bäume für den Norderstedt-Wald können weiter verschenkt oder gespendet werden. Infos zur Reise und zum Norderstedt-Wald gibt es unter Telefon 040/5240362 oder 0171/6980946, unter heikelinde@wtnet.de oder ayala.nagel@wtnet.de per E-Mail.
Einladung 2 - Donnerstag, 19. Januar, 19.30 Uhr:
Andrea von Treuenfeld liest aus "In Deutschland eine Jüdin - in Israel eine Jeckete"
Jahrzehntelang haben sie über ihr Schicksal geschwiegen. Doch jetzt im hohen Alter stellen sie sich ihren Erinnerungen, lassen die bösen Bilder zu, die sie als Kinder und Jugendliche erdulden mussten, und erzählen der Enkel-Generation ihre Geschichte. Eine, die Holocaust-Überlebenden zuhörte, ist Andrea von Treuenfeld. Die Autorin sprach in Israel mit Frauen, die den Todeslagern des Hitler-Regimes entkommen waren oder noch rechtzeitig aus Deutschland fliehen konnten, die Israel aufbauten. Viele haben die Familie in deutschen KZs verloren und in Israel Söhne und Enkel in einem der Kriege.
In dem Buch „In Deutschland eine Jüdin, in Israel eine Jeckete – geflohene Frauen erzählen ihr Leben“ fasst die 54-
Jährige diese Biografien zusammen. Am Donnerstag, 19. Januar, 19.30 Uhr, stellt Andrea von Treuenfeld das Buch
in der Buchhandlung am Rathaus, Rathausallee 42, in einer Lesung mit Dis
kussion vor. Vom Eintritt von zehn Euro spendet die Buchhandlung einen Euro für den Norderstedt-Wald in Israel. Um Platz-Reservierung wird unter Telefon 040/5227276 oder unter buch-norderstedt@wtnet.de per E-Mail gebeten.
Einladung 3 - Freitag, 27. Januar, 15.30 Uhr:
Gedenkzeit an der KZ-Gedenkstätte Wittmoor, Fuchsmoorweg, zur Erinnerung an die Ermordung von sechs Millionen europäischer Juden durch den Kulturbruch des deutschen Nazi-Regimes. Wir bitten Sie um zahlreiches Erscheinen. Danke! Besonders Schulklassen und Konfirmationsgruppen wären uns liebe Gäste.
Buch-Tipp 1: „Stolpersteine in Hamburg – biographische Spurensuche":
Die Landeszentrale für politische Bildung und Institut für die Geschichte der deutschen Juden gibt den zwölften Band der Reihe heraus.
Inzwischen sind es 4000 Stolpersteine, die in Hamburg an während des Kulturbruchs des NS-Regimes ermordete Menschen erinnern, an Jüdinnen und Juden, Homosexuelle, politisch Verfolgte, „Euthanasie"-Ermordete, Zeugen Jehovas oder andere.
Der neuste Band der biographischen Stolperstein-Reihe enthält die Lebensgeschichten derer, für die Stolpersteine in den Stadtteilen Bergedorf, Bergstedt, Berne, Bramfeld, Dulsberg, Eidelstedt, Farmsen, Lokstedt, Lurup, Meiendorf, Niendorf, Ohlstedt, Osdorf, Poppenbüttel, Sasel, Schnelsen, Stellingen, Wellingsbüttel verlegt sind.
Ulrike Sparr, Björn Eggert und ihre Mitautorinnen und Mitautoren haben die Lebensläufe von mehr als 80 Personen recherchiert. Ihre Lebens- und Leidensgeschichten, illustriert durch Fotos und Dokumente, sind in dieser Publikation nachzulesen. Straßenkarten zeigen die Verlegeorte der Stolpersteine.
Das Buch ist der zwölfte Band der Reihe „Stolpersteine in Hamburg – biographische Spurensuche", die die Landeszentrale für Politische Bildung und das Institut für die Geschichte der deutschen Juden gemeinsam herausgeben. Weitere Bände werden in diesem Jahr und 2013 folgen. Alle Bände sind gegen eine Bereitstellugspauschale von je Euro drei Euro im Infoladen der Landeszentrale für politische Bildung am Dammtorwall erhältlich.
Buch-Tipp 2: "Abseits der Metropolen - Die jüdische Minderheit in Schleswig-Holstein" von Bettina Goldberg
Der Buchinhalt gliedert sich auf in:
Einleitung
VON DEN ERSTEN NIEDERLASSUNGEN BIS ZUM ENDE
DER WEIMARRER REPUBLIK
1) Die jüdische Bevölkerung - ein Profil
2) Schleswig-Holstein - eine "Diaspora in der Diaspora";
vier Fallstudien
3) Die jüdische Gemeinschaft
4) Die jüdischen Familien
5) Jüdische Minderheit und nichtjüdische Mehrheit
DIE ZEIT DES NATIONALSOZIALISMUS
6) Wirtschaftliche Verdrängung, gesellschaftliche Ausgrenzung und politische Entrechtung 1933-1937/38
7) Jüdische Selbsthilfe und Selbstbehauptung
8) Vom Prognom zur Vernichtung 1938-1945
EPILOG
Juden in Schleswig-Holstein der Nachkriegszeit
ANHANG
Bettina Goldberg wurde 1955 in Essen geboren. Sie ist Gymnasiallehrerin für Geschichte und Deutsch in Flensburg und Lehrbeauftragte am Institut für Didaktik der Universität Flensburg. An der Ruhr-Universität Bochum studierte sie Geschichte und Germanistik und promovierte 1996 in Potsdam. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählt die jüdische Geschichte, Bildungsgeschichte und die Geschichte der USA als Einwanderungsland.
Herausgeber Prof.Gerhard Paul, Wachholtz Verlag Neumünster, 2011, 800 Seiten, 35 Euro
Ausgeh-Tipp:
Neue Restaurants in Tel Aviv
Der Restaurant-Führer "Taste TLV" hat die besten Restaurant-Neueröffnungen des Jahres 2011 gekürt.
Ob luxuriös in der "Mizlala", nahöstlich im "Gedera 26" oder pan-asiatisch im "The Bun" – bei diesen Neuentdeckungen ist für jeden und jede etwas dabei. Mehr Information unter: http://www.jpost.com/LifeStyle/Article.aspx?id=251867
Und noch einmal Tel Aviv:
Tel Aviv ist "Best Gay City of 2011" - Mit weitem Abstand hat Israel diesen Preis gewonnen und liegt mit 43 Prozent vor New York mit 14 Prozent. Abgestimmt wurde auf der LGBT Tourismus Website GyCities.
Wir würden uns sehr freuen, Sie bei unseren Veranstaltungen begrüßen zu dürfen.
Ein herzliches Shalom
und einw gute Woche!
Ihre
Heike Linde-Lembke und Ayala Nagel
(Vorsitzende CHAVERIM)
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EIN GROSSES EREIGNIS FÜR DAS JÜDISCHE LEBEN IN HAMBURG:
Shlomo Bistritzky ist der neue Landesrabbiner der Hansestadt Hamburg
Heike Linde-Lembke
Hamburg Sie kamen aus New York, Brüssel und Berlin, aus Jerusalem. Safed und Warschau, aus der ganzen Welt nach Hamburg, die Rabbiner, und soviel orthodoxe Gelehrte hatte die Hamburger Synagoge an der Hohen Weide in ihren ganzen 50 Jahren noch nicht beherbergt.
In einem festlichen Akt führte Jona Metzger, Oberrabbiner aus Israel, Shlomo Bistritzky symbolisch in sein Amt als Hamburgs Landesrabbiner ein, ihm zur Seite die Rabbiner Mosche Kotlarsky von Chabad Lubawitsch aus New York, und Loeb Bistritzky aus Israel, Shlomo Bistritzkys Großvater.
Diese Begegnung war denn auch besonders berührend, denn Loeb Bistritzky ist gebürtiger Hamburger, musste 1937 vor dem Rassenwahn des Nazi-Regimes aus seiner Heimatstadt flüchten. Er wollte die Stadt, die ihm Familie und Heimat nahm, nie wieder betreten. Bis sein Enkel Shlomo mit seiner Frau Chani 2003 nach Hamburg kam, um das Chabad Lubawitsch Zentrum an der Rentzelstraße aufzubauen. 2006 war es soweit: Loeb Bistritzky betrat seine Heimatstadt doch wieder und weihte das Zentrum, das sein Enkel aufbaute, feierlich ein. Er besuchte das Haus der Familie in der Innocentiasstraße, fasste wieder Vertrauen zu der Stadt, in der sein Enkelsohn jetzt zum Landesrabbiner gewählt wurde.
Vorstand und Beirat der Jüdischen Gemeinde Hamburg hatten den Chabad-Lubawitsch-Rabbiner aus Safed in Israel einstimmig zu ihrem Landesrabbiner gewählt.
Vorausgegangen war ein unerträgliches Gerangel um Macht und Misstrauen, Posten und Peinlichkeiten, Schuldzuweisungen und Abwanderungen in jüdische Umland-Gemeinden. Der langjährige Rabbiner Dov Levy Barsilay räumte 2008 sein Amt. Seitdem war der Platz des Landesrabbiners vakant. Shlomo Bistritzky übernahm die Gottesdienste, war rasch aus der Gemeinde nicht mehr wegzudenken. Die Wahl zu Hamburgs Landesrabbiner ist die Krönung der Karriere des 34-Jährigen.
„Bis vor Kurzem wollte ich gar nicht Landesrabbiner werden, doch als ich sah, dass der neue Vorstand und Beirat eine gute Arbeit leisten, habe ich einer Wahl zugestimmt“, sagt Bistritzky im Interview. Er sieht keinen Gegensatz in seiner Aufgabe als Rabbiner einer Einheitsgemeinde zu der eines Rabbiners des chassidischen Chabad Lubawitsch: „Alle Juden sind gleich, und ich bin für alle offen.“ Hamburgs neuer Landesrabbiner verlässt aber seine Prinzipien nicht: „Meine Grenze ist die Halacha.“
Der Rabbiner, der gerade zum sechsten Mal Vater wurde, will die zerklüftete, mit vielen Problemen beladene Gemeinde wieder zusammenführen. 3000 Mitglieder hat die Gemeinde, 8000 Jüdinnen und Juden leben in Hamburg, und es ist Bistritzkys Bestreben, auch israelische, nord- und südamerikanische Juden in die Gemeinde zu holen.
„Wir müssen attraktive Veranstaltungen bieten und Integrationsarbeit leisten“, sagt Bistritzky. Ein großes Problem sei die Unkenntnis des jüdischen Glaubens, ein Problem, dem er mit seiner Ehefrau Chani, Mathematik-Lehrerin an der Talmud-Tora-Schule, schon erfolgreich mit dem Chabad Lubawitsch Zentrum begegnet sei.
Die Leitung des Zentrums wird jetzt von einer jungen israelischen Familie unter seiner Obhut übernommen. „Wir müssen unsere Kraft bündeln, um wieder ein zukunftsorientiertes jüdisches Leben in Hamburg zu führen“, sagt Bistritzky. Und er will jüdisches Leben in Hamburg wieder als „normal“ verankern.
„Ich wünsche Ihnen, dass Sie noch viel lernen. Ich wünsche Ihnen, wenn das Baby schreit, dass Sie das Buch schließen können und zu dem Baby, zu Ihrer Gemeinde gehen“, sagte Jona Metzger, bevor er Shlomo Bistritzky den neuen Tallit umlegte und mit Vertretern der Gemeinde, mit Kotlarsky und Loeb Bistritzky die Ernennungsurkunde zu Hamburgs Landesrabbiner unterzeichnete.
Shlomo Bistritzky kehrt damit an den Ort zurück, von dem sein heute 85-jähriger Großvater Loeb Bistritzky 1937 vor dem Grauen des Kulturbruchs flüchten musste. Heute gehen seine Kinder dort zur Schule, wo schon sein Großvater das ABC lernte, in der Talmud-Tora-Schule am Grindel, dort, neben dem großen freien Platz, auf dem bis 9. November 1938 die prächtige Bornplatz-Synagoge stand. Sie wieder aufzubauen, scheinen mittlerweile einige Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Hamburg ihrem neuen Landesrabbiner zuzutrauen.
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Frauen in die erste Reihe
Von Uri Savir
Letzte Woche wurde eine Frau angegriffen, weil sie sich weigerte, in einem Bus hinten zu sitzen, um nicht – "Gott behüte" – von Männern gesehen zu werden. Dies geschah nicht in Teheran sondern in der Nähe von Jerusalem.
In Beit Shemesh, nicht weit davon entfernt, wurde die acht-jährige Na´ama Margolis beleidigt, weil sie unschicklich auf der falschen Straßenseite lief, die den Männern vorbehalten war.
Ich habe viel Respekt vor Religion im Allgemeinen und der jüdischen Religion im Besonderen, doch diese Phänomene haben so viel mit Religion zu tun wie Apartheid mit Menschenrechten. Sie sind nicht nur illegal, sondern eine unverhohlene Form der Diskriminierung und eine Vergewaltigung grundlegender Menschenrechte und Werte. Sie stellen Israel in eine Reihe mit Nationen, die Frauen diskriminieren.
Der gesamte Nahe Osten ist hierfür ein typisches Beispiel. In den meisten Ländern der Region sind Frauen Bürger zweiter Klasse. Je freier Frauen sind, je mehr sie Teil der sozio-politischen Prozesse ihres Landes werden, desto fortschrittlicher und demokratischer wird das Land und umgekehrt. Tunesien einerseits und Saudi-Arabien andererseits sind hierfür gute Beispiele.
Weiter geht es auf unserer Website: http://embassies.gov.il/berlin/NewsAndEvents/Kommentare/Pages/Frauen-in-die-erste-Reihe.aspx
(Jerusalem Post, 06.01.12)
Der Autor ist Präsident des Peres Center for Peace und war israelischer Verhandlungsführer bei den Osloer Verträgen.
Die im Newsletter veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der israelischen Regierung wieder, sondern bieten einen Einblick in die politische Diskussion in Israel.
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NEWSLETTER ISRAELISCHE BOTSCHAFT BERLIN, YNET, Dienstag, 27. Dezember 2011
Tausende demonstrieren in Beit Shemesh gegen die Diskriminierung von Frauen
Am Dienstag haben Tausende gegen den Ausschluss von Frauen aus dem öffentlichen Raum protestiert. Ultra-orthodoxe Gruppen hatten in den vergangenen Wochen wiederholt gefordert, in Bussen, Supermärkten und an anderen öffentlichen Orten Geschlechter-Trennung einzuführen. Die Situation spitzte sich am Wochenende zu, als ein orthodoxer Mann eine Schülerin anspuckte, weil sie ihm „nicht züchtig genug“ gekleidet war.
Oppositionsführerin Tzipi Livni, die Vorsitzende der Arbeitspartei Shelly Yachimovich, Kultur- und Sportministerin Limor Livnat und der Rabbiner Haim Amsalem sprachen auf der Kundgebung. Livnat erklärte, der Ausschluss von Frauen sei „ein verabscheuungswürdiges Verbrechen“ und kündigte an, „mit allen Mitteln“ dagegen zu kämpfen. Der Knessetabgeordnete Amir Peretz, der ebenfalls an der Demonstration teilnahm, erklärte: „Genug ist genug! Wir müssen diesen Zustand beenden. […] Es ist eine untragbare Situation, wenn ein Mädchen in Israel Angst hat, auf die Straße zu gehen.“
Auch der Bürgermeister von Beit Shemesh, Moshe Abutbul, äußerte sich zu der Gewalt in seiner Stadt und sagte, dass dieses Verhalten unentschuldbar sei und die Polizei mit „harter Hand“ gegen die Unruhestifter vorgehen solle. Ministerpräsident Binyamin Netanyahu erläuterte seine ablehnende Haltung erneut am Dienstag bei dem diesjährigen Bibel-Wettbewerb in Jerusalem. „Die Bibel beschreibt eine gerechte Weise, wie jeder Mensch, und insbesondere Frauen, behandelt werden sollen. Der Ausschluss von Frauen widerspricht der Tradition der Bibel und den Traditionen des Judentums.“
Bildungsminister Gideon Sa’ar pflichtete Netanyahu bei und sagte: „Wir müssen unsere Stimme erheben gegen diese dunklen Kräfte. Der Radikalismus der Sikarier und die gaunerhaften Methoden der ‚Preisschild‘-Gangs repräsentieren nicht das Judentum. Das ist nicht die israelische Art.“ Bei der Botschafterkonferenz in Jerusalem rief Präsident Peres alle Bürger dazu auf, an der Demonstration in Beit Shemesh teilzunehmen. „Die Religiösen, die Säkularen, die Traditionalisten – wir alle müssen die Prinzipien des Staates Israel verteidigen gegen diese kleine Gruppe, die unserer nationalen Solidarität schaden will.“ Denn die Verantwortung liege nicht nur bei der Polizei: „Das ist ein Test für unsere Nation, die Mehrheit aus den Fängen einer kleinen Minderheit zu befreien, die an den Grundfesten der Demokratie nagt. […] Keiner hat das Recht, Mädchen oder Frauen zu bedrohen. Wir sind alle Bürger.“
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Reportage:
"Himmelsreiter macht plumps"
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 16. Januar 2012
"Vorsicht Lebensgefahr. Archäologische Ausgrabung". Das verwitterte Schild am Drahtverhau beim Treffpunkt mit israelischen Militärs verrät nur die halbe Wahrheit. Das Militär hat zum Übungseinsatz der Minidrohne "Skyrider" (Himmelsreiter) eingeladen.
Der Militärjeep fährt uns über einen schlammigen Feldweg zu einem steinigen Hügel. Der Soldat am Steuerrad gibt sich Mühe, eine Horde kläffender Hunde nicht zu überfahren. Beduinen leben am Feldweg in ärmlichen Blechhütten, ein roter Traktor vor der Haustür und drei Satellitenschüsseln auf dem Dach.
Ein Dutzend Soldaten mit großen Rucksäcken auf dem Rücken und drolligen Tarnhüte über ihre Helme gestülpt, marschiert uns schweren Schrittes entgegen. Auf dem Hügel ziehen sie mit geübten Griffen eine Zeltplane in Tarnfarben über ihre abgelegten Rücksäcke, während sich die Hälfte der Soldaten mit dem Gewehr im Anschlag rund um die Rucksäcke positioniert.
Den Journalisten, die gerade über die Autobahn nach Amikam mitten in Israel gekommen sind, erklärt der Offizier: "Wir befinden uns jetzt im Libanon und wollen die Hisbollah-Miliz beobachten. Sehr Ihr da unten die Schnellstraße Nr. 70? Das ist für uns die internationale Grenze."
Der Offizier brüllt ein paar unverständliche Befehle. Die Soldaten ziehen Metallplatten, einen Computer, Landkarten und anderes Gerät aus ihren Rucksäcken hervor. In wenigen Minuten haben sie einen kompletten Spielzeug-Flieger mit Propeller und Flügeln mit einer Spannweite von drei Metern zusammengeschraubt.
Ein Soldat rupft Gras und lässt es zu Boden bröseln. "So prüft er die Windrichtung", erklärt Aviv, Ausbilder der high-tech Mini-Drohnen-Einheiten. Ein langes, mit einem Pflock im Boden verankertes Gummiband wird unter dem Rumpf des grauen Propellerflugzeugs eingeklinkt. Ein Soldat wirft den Himmelsreiter in den Wind und der verschwindet kaum sichtbar unter den Wolken.
"Der Himmelreiter ist eine rein israelische Erfindung. Der Kommandeur einer Panzereinheit oder einer Infanteriebrigade wollte mal eben schauen, ob sich der Feind jenseits des Hügels versteckt oder ob palästinensische Kinder ein paar Gassen entfernt in einem Dorf sammeln, um Steine zu werfen", erklärt Aviv den Anstoß zur Entwicklung der Mini-Drohne für die Infanterie. Während des Gazakriegs Ende 2008 wurde Himmelsreiter erstmals in Kampfhandlungen eingesetzt. Vier Soldaten können das komplette, 200.000 Euro teure System mitsamt Leitsystem, Lenkcomputer, drei Flugzeugen und Ersatzbatterien auf dem Rücken mitschleppen. Innerhalb von zehn Minuten kann das mit Nachtsicht-, Thermo- und anderen Kameras ausgestattete Beobachtungsflugzeug aus 1000 Metern Höhe kaum hörbar zwei Stunden lang das Gelände in einem Radius von 15 Kilometern überfliegen und beobachten.
Während des Krieges 2008 seien nur sieben Einheiten im Einsatz gewesen. Die Maschinen würden heute täglich in zahlreichen Einheiten eingesetzt. "Wir haben nicht ein einziges der nur 30.000 Euros billigen Flugzeuge verloren", sagt Aviv. Die mit Elektromotor betriebenen Propellermaschinen mögen weder Regen noch zu starke Windböen. Vollautomatisch prüft der kaum sichtbare Vogel Windrichtung und Stärke, bis sich das Flugzeug zur Landung entscheidet. Es benötigt nicht einmal eine Landbahn.
Plötzlich geht alles ganz schnell. In geringer Höhe bäumt sich der Himmelsreiter auf und stürzt zum Boden. "Im Rumpf ist ein Airbag (Luftkissen) angebracht, wie im Auto. Darauf landet er weich", erklärt Aviv. Soldaten sammeln die unversehrte Maschine ein. Unter ihr hängt jetzt ein grauer Sack. Den stopfen die Soldaten schnell wieder in den Rumpf. Innerhalb weniger Minuten ist alles in den Rucksäcken für den nächsten Einsatz verstaut.
Was heute die hochmodernen "Augen" der Bodentruppen sind, vollgestopft mit Elektronik, erinnert irgendwie an das Kinderlied:
"Hoppe, hoppe Reiter...dann macht der Reiter plumps." (C) Ulrich W. Sahm
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Fundsache: Jeremias bei den Taliban
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 13. Januar 2012
Afghanische Hirten haben in den Bergen der Samangan Provinz in einer Höhle ein mittelalterliches Archiv mit jüdischen Texten entdeckt. Die rund 150 Pergamente, teilweise unleserlich und in schlechtem Zustand, werden von Experten der Hebräischen Universität in Jerusalem untersucht und entziffert. Einige Manuskripte, in Judeo-Arabisch und Judeo-Persisch verfasst, stammen dank der enthaltenen Daten aus dem 11. Jahrhundert, sagte Professor Schaul Schaked der Jerusalem Post. Die Manuskripte seien zweifellos echt und enthalten eine alte Übersetzung des biblischen Buches Jeremias ins Persische und bislang unbekannte wissenschaftliche Abhandlungen des jüdischen Gelehrten Saadja Gaon. Die Manuskripte stammen von einem jüdischen Händler, der auch Buch über seine Schuldner geführt hat, sagte Schaked. Der Fund wirft neues Licht auf alte fast unbekannte jüdische Gemeinden. Robert Eisenman, ein bekannter Forscher der 2000 Jahre alten Tote Meer Rollen erwartet neue Erkenntnisse über die Rhadaniten in Zentralasien, mittelalterliche jüdische Händler, deren Netzwerk Asien mit Europa verband. Diese Rhadaniten seien im 11. Jahrhundert "völlig verschwunden". Schaked meint, dass der Besitzer des Archivs Karaiter gewesen sein könnte, eine bis heute existierende jüdische Sekte, die nur die biblischen Schriften anerkennt und nicht die spätere rabbinische Literatur. Eisenmann geht einen Schritt weiter und spekuliert, dass der Fund vielleicht sogar ein Hinweis auf die mythologischen "zehn verlorenen Stämme" Israels sein könnte, die in biblischer Zeit in Richtung Osten, dem heutigen Afghanistan, Pakistan und Indien gewandert und dann untergegangen seien.
Immer wieder tauchen indische Stämme auf, die vermeintlich Nachkommen dieser "verlorenen Stämme" seien und den Staat Israel auffordern, sie im Rahmen des "Rückkehrgesetzes für Juden" einwandern zu lassen.
Auf Anfrage sagte Schaked, dass die Dokumente sich heute bei Antiquitätenhändlern in London und in Israel befänden. Sie hätten sich bei Schaked gemeldet und ihm per Email Photos geschickt, woraufhin er nach London gereist sei, um sie in Augenschein zu nehmen. Die Händler verlangen für die alten Manuskripte "Millionenbeträge". Schaked hofft, dass sich Spender finden, um sie zu erwerben und bei der Nationalbibliothek in Jerusalem zu hinterlegen, wo sie auch fachgerecht präpariert und konserviert werden könnten, ähnlich wie die Tote-Meer-Rollen. Die meisten Texte seien auf Papier geschrieben worden und einige wenige auf Pergament. Die buchhalterischen Texte seien von besonderem Interesse, weil die Wissenschaftler hoffen, aus ihnen etwas über die Hintergründe des Besitzers dieser kleinen Bibliothek zu lernen. "Doch solche nicht-literarische Texte sind besonders schwer zu entziffern und zu verstehen, weil ein Händler seine Geschäftsgeheimnisse nicht für jeden Lesbar notiert hat", sagte Schaked. C) Ulrich W. Sahm
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Frischer Wind in Israels Innenpolitik
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 9. Januar 2012
Fernsehmoderator Jair Lapid stürzt sich in die Politik und bringt laut Umfragen das Gefüge der Machtblöcke in Israel durcheinander. Ohne eine Partei gegründet und sein politisches Programm verraten zu haben, prophezeien ihm die Meinungsforscher sieben oder gar zwanzig Sitze in der Knesset bei den nächsten Neuwahlen - je nach Umfrage. Die große Frage ist, ob er die seit 2001 stabile Vormacht des "rechten Blocks" brechen könnte, die Koalition Benjamin Netanjahus mitsamt frommen und rechtsgerichteten Parteien.
Neuwahlen sind am Horizont noch nicht zu erkennen. Netanjahu verfügt über eine der stabilsten Regierungen der Geschichte Israels. Aber ein wenig Wahlkampfstimmung hängt in Israel immer in der Luft, da noch nie eine israelische Regierung die volle Kadenz von vier Jahren durchgestanden hat.
Jair Lapid, 1963 in Tel Aviv geboren, ist nicht nur ein beliebter Fernsehstar. 2005 landete er bei einem populären Wettbewerb auf Platz 36 unter den "200 größten Israelis aller Zeiten". Sein Vater Josef "Tommy" Lapid war ebenso einer der bekanntesten politischen Kommentatoren und sprichwörtlicher Querulant, bis er seien Platz vor den Fernsehkameras räumte und die weltlich ausgerichtete Schinui-Partei gründete. Wie ein Meteor erhielt Schinui bei den Wahlen 1999 sechs Sitze in der Knesset von insgesamt 120 und bei den darauffolgenden Wahlen 15 Sitze. Schinui war ein Gegengewicht zu den frommen und orthodoxen Parteien. Sie befürwortete eine weltlich-liberale Weltanschauung. Aber so wie Schinui binnen weniger Jahre mit ihren 15 Sitzen zur drittgrößten Kraft in Israel geworden war, verschwand sie zersplittert und zerstritten bei den Wahlen 2006 von der Bildfläche.
Sohn Jair Lapid genießt dank seines Vaters "Tommy" Lapid Vorschusslorbeeren und schwimmt auf der Welle der zur Zeit modischen Spannungen zwischen weltlichen und orthodoxen Juden in Israel. Der junge Lapid gilt als "links". Doch wie er zu den umstrittenen politischen Themen steht, ist vorläufig ein Rätsel. Es spricht für sein Charisma, dass die potentiellen Wähler ihm bis zu 20 Abgeordnete wünschen.
Lapids Ankündigung, "in die Politik" gehen zu wollen, hat unter gestandenen Politikern Unruhe ausgelöst. Auf die Schnelle wurde durchgesetzt, dass auch Journalisten und nicht nur Militärs und Staatsbeamte eine mehrmonatige "Abkühlungsphase" einhalten müssten. Es gehe nicht an, dass ein angehender Politiker weiterhin als "Journalist" eine Talkshow im Fernsehen moderiert und kostenlos für seine Ansichten Reklame machen könne. Wegen des öffentlichen Drucks hat Lapid inzwischen seinen lukrativen Posten beim zweiten TV-Kanal aufgegeben.
Obgleich die Umfragen jetzt, ohne anstehende Wahlen, eher ein theoretisches Gedankenspiel sind, wird schon heftig gerechnet. Lapid werde mutmaßlich viele Stimmen der Kadima-Partei wegnehmen. Kadima ist heute die größte Partei Israels. Sie hatte es unter Zipi Livni nach den letzten Wahlen aber nicht geschafft, eine regierungsfähige Mehrheit zu erlangen. Kadima ist von dem seit sechs Jahren im Koma liegenden Ariel Scharon gegründet worden, um 2005 den Rückzug aus dem Gazastreifen durchzusetzen. Doch blieb die Partei ideologisches Sammelsurium, mit linken wie rechten Politikern des politischen Spektrums Israels. Unter der eher farblosen Oppositionschefin Livni verlor die Partei ihre Popularität und dürfte nur noch 10 Mandate erhalten.
Ehud Barak, heute Verteidigungsminister und früherer Vorsitzender der einst allmächtigen Arbeitspartei, werde laut Umfragen nicht einmal die zweiprozentige Sperrklausel überwinden. Deshalb kursieren Gerüchte, wonach der nationalkonservative Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dem Sozialisten Barak einen sicheren Platz auf der Liste der Likudpartei reservieren wolle.
Wenig Hoffnung besteht auch für die sozialistische Arbeitspartei und die linke Meretzpartei. Deren traditionelle Wähler könnten teilweise zu Lapid überlaufen.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor in Israels Innenpolitik ist der charismatische Arieh Derri. Der führte die orientalisch-fromme Schasspartei, bis er wegen Korruption ein paar Jahre im Gefängnis verbringen musste. Derri plant offenbar ein come back, aber mit eigener Partei. Deren sechs vorausgesagten Mandate würden auf Kosten der Schasspartei gehen. Obgleich orthodox gilt Derri in politischen Fragen als "links", sodass die Kombination Lapid und Derri die Vorherrschaft des konservativen Likudblocks unter Netanjahu und seiner Koalitionspartner brechen könnte. (C) Ulrich W. Sahm
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ISRAELNETZ, Montag, 9. Januar 2012
Von A. Klotz
Bilanz 2011: Rund 680 Geschosse aus Gaza abgefeuert
SDEROT (inn) - Im vergangenen Jahr ist der Süden Israels Ziel von rund 680 Raketen und Mörsergranaten gewesen. Das zeigt eine Aufstellung des israelischen Heimatfrontkommandos.
Etwa 80 Grad-Raketen mit einer hohen Sprengladung sind im Jahr 2011 auf das südliche Israel abgefeuert worden. Etwa 30 Prozent aller Raketenangriffe fanden in drei Eskalationsphasen statt, die sich insgesamt auf 15 Tage beliefen. Fünf Raketen trafen Häuser oder deren unmittelbare Umgebung.
Um den Anwohnern einen besseren Schutz zu gewährleisten, will das Heimatfrontkommando das Raketenwarnsystem ausweiten. Nicht nur Sirenen, sondern auch Mobiltelefone, Fernseher und das Internet sollen über spezielle Programme Warnsignale abgeben können. "Seit der Operation 'Gegossenes Blei' sind die Sirenen überarbeitet wurden und heute funktionieren sie viel besser", sagte ein ranghoher Vertreter des Heimatfrontkommandos.
In einem 4,5 Kilometer breiten Streifen längs der Grenze seien ferner nahezu alle Wohnhäuser widerstandsfähiger gemacht worden. Ebenfalls seien Baumaßnahmen zur Sicherung von Bildungseinrichtungen in einem Gebiet von bis zu sieben Kilometern durchgeführt worden. Innerhalb der nächsten zwei Jahre plane das Heimatfrontkommando, den Sicherheitslandstrich auf 15 Kilometer auszudehnen.
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ISRAELNETZ, Sonnabend, 12. Januar 2012
Von J. Kreis
Naturunterricht bringt israelische und arabische Schüler zusammen
JERUSALEM (inn) - Dass Kinder trotz schwieriger äußerer Umstände zueinander finden, zeigt das Projekt "Coexistence" in den Botanischen Gärten Jerusalems. Seit fünf Jahren besuchen israelische und arabische Neun- bis Elfjährige die Grünanlage mit ihren über 10.000 Pflanzen.
Laut der israelischen Botschaft in Deutschland besteht das gemeinsame Projekt aus zehn Treffen. Nach den Zusammenkünften besuchen sich die Kinder gegenseitig in ihren Schulen, um dort Bäume zu pflanzen. Der Botanische Garten dient für Projektleiterin Leah Gerson als "neutraler Boden mit einer angenehmen Atmosphäre, die Räume für Offenheit und Dialoge schafft". Sprachbarrieren seien nicht vorhanden, weil "die Kinder ihre eigene Art des Kommunizierens finden".
In den vergangenen fünf Jahren nahmen 160 Kinder an der Studie teil. "Die pflanzliche Vielfalt kann ermutigen, die menschlichen Unterschiede zu akzeptieren", so Sue Surkes, Entwicklungschefin des Projekts. "Coexistence" ist nicht das einzige Projekt der Botanischen Gärten Jerusalems. Um weitere Kinder anderer Religionen zu erreichen, gibt es einen erneuerten Bibelpfad mit neuen Pflanzen im Außenbereich des Geländes.
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Ferngelenkter Krieg
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 5. Januar 2012
Drohnen und Roboter gehören heute zum Waffenarsenal moderner Streitkräfte. Anfangs dienten unbemannte Flugzeuge zur Aufklärung über feindlichem Territorium. Längst können Drohnen mit Raketen zielgenau den Feind treffen, ferngelenkt, per Knopfdruck aus einer Kommandozentrale, Tausende Kilometer vom Schlachtfeld entfernt. Die Israelis waren federführend in der Entwicklung von Drohnen. Sie haben 2003 als erste bewaffnete Drohnen eingesetzt.
Die deutsche Bundeswehr bediente sich schon vor über 25 Jahren an den in Israel entwickelten unbemannten Systemen. Im März 2010 krachte eine von Israel geleaste Heron I Drohne in Afghanistan in eine parkende Transall, weil ihr "Pilot" beim Probeflug angeblich noch unsicher bei der Bedienung des ferngelenkten Fluggeräts war. Die Amerikaner verloren kürzlich eine hochmoderne unbeschädigte Drohne an den Iran. Immer wieder erfährt man von amerikanischen Drohnen, die Ziele im Jemen oder in Pakistan angreifen. Doch gelegentlich treffen sie auch Hochzeitsgesellschaften und verursachen hohen "Kolateralschaden", die zynische Bezeichnung ziviler Tote in der Militärsprache.
Wie fortgeschritten die Entwicklung "ferngelenkter Waffensysteme" ist, wurde kürzlich in einem kanadischen Film von Leif Kaldor and Leslea Mair vorgestellt. "Killende Roboter gibt es nicht mehr nur in Science Fiction Filmen. Sie sind längst Wirklichkeit auf dem Schlachtfeld", heißt es da. Fliegende Roboter und automatisch gesteuerte Jeeps können sehen, angreifen, Menschen erschießen oder retten, ohne das Leben der Soldaten zu gefährden.
Die Produzenten der kanadischen Dokumentation setzten ethische Fragen in den Vordergrund. Was passiert, wenn diese Kampfmaschinen eines Tages "selber denken" und außer Kontrolle geraten? Die UAV (Unbemannte Fluggeräte) könnten in die Hände von Feinden oder gar Terroristen fallen. Sie könnten winzig wie Vögel oder Bienen mit Sprengstoff gefüllt in Schwärmen nach New York fliegen. Dann bräuchte man keine Flugzeuge mehr entführen, um einen Terroranschlag wie am 11.9.2001 auszuführen. Und wer trägt die Verantwortung, wenn ein Soldat am anderen Ende des Planeten den Falschen tötet?
Die Entwicklung der Roboter steckt noch in den Kinderschuhen. Dennoch bildete 2009 die amerikanische Luftwaffe schon mehr Fernlenker von Drohnen denn Kampfpiloten aus. Unbemannte Kampfflugzeuge werden zur bevorzugten Waffe in 43 Ländern der Welt. Sie gefährden nicht die eigenen Piloten, können bis zu 56 Stunden in der Luft kreisen, sind fast unhörbar und billiger sind als Kampfjets.
2003 sind die Amerikaner nur "mit einer Handvoll" Drohnen in den Irak einmarschiert. Heute verfügen sie über mehr als 7000. Damals hatten die USA nicht einen einzigen Roboter für den Einsatz am Boden. Jetzt verfügen sie schon über 12.000, sagt Peter Singer, Autor eines Buches über "Robotiks".
Amerikanische Friedensaktivisten befürchten, dass aus Tausenden Kilometern Entfernung gelenkte Drohnen Unschuldige töten könnten. Doch in letzter Zeit beweisen die Israelis das Gegenteil. Mit ihren Drohnen beobachten sie lange Zeit die Aktivitäten von Terroristen am Boden, etwa wie sie Raketen entladen und in Stellung bringen. Gleichzeitig können sie sehen, ob sich Unbeteiligte in der Nähe befinden. Zielgenau schalten Sie dann die Raketenschützen mit kleinen wirksamen Raketen aus. Bei Attacken im Gazastreifen gab es in den letzten Monaten auffällig geringen "Kolateralschaden". Fast nur Kämpfer wurden getroffen, darunter namhafte hochrangige Offiziere der Hamas oder des Islamischen Dschihad.
Ein Aspekt dieser modernen Kriegsführung sind "asymmetrische Kriege". Heute bekämpfen einander kaum noch stehende Armeen mit Panzern, Flugzeugen und Infanterie. Die Feinde sind Terrorgruppen, die sich in der Bevölkerung verstecken und diese als Schutzschild benutzen. Erfahrungen haben damit Deutsche am Kundus, Amerikaner in Pakistan und Israelis in Libanon und Gaza gesammelt. Sie müssen sich gegen Straßenbomben schützen, die mit Stolperdrähten oder per Fernlenkung mit einem Handy gezündet werden können. "Die Roboter können Sprengsätze entschärfen, ohne dass danach ein Beileidsschreiben an eine Mutter geschickt werden muss", sagt Singer.
Israels Armee hat nach Angaben des Films Roboter entwickelt, die anstelle von Lamas aus Südamerika ihr Gepäck durch unwegsames Gelände schleppen, eigenständig Patrouille entlang dem Grenzzaun zu Gaza fahren, feindliches Gelände erkunden oder sogar einen Feind stellen können. Die Idee zu einem selbstgesteuerten Jeep erdachten schon vor über dreißig Jahren Mitarbeiter des Jerusalemer "Instituts für die Erforschung der Halacha". Weil fromme Juden am Sabbat kein Auto fahren dürfen gemäß dem Prinzip "Du sollst am Sabbat kein Feuer machen", ersannen sie einen Jeep, der vorprogrammiert den Motor startet und selbstständig die Patrouillenstraße eines frommen Kibbuz abfährt. Mitfahren ist frommen Juden erlaubt, solange nur die Maschine "sündigt".
Es entspricht der israelischen Mentalität, aus Not eine Tugend zumachen. Deshalb waren sie Pioniere in der Entwicklung von kämpfenden Robotern, unbemannten Aufklärungsmaschinen und Mini-Hubschraubern, die Menschen aus brennenden Hochhäusern evakuieren können. Dahinter steckt die keineswegs selbstverständliche Doktrin, das Leben der eigenen Soldaten um jeden Preis zu schützen. Im Gegensatz dazu wurde gemäß der sowjetischen Kampfdoktrin, 1973 von Ägypten im Jom Kippur Krieg angewandt, der Feind mit Tausenden Soldaten überschwemmt, ohne Rücksicht auf eigene Verluste.
Ein weiterer Grund für die Entwicklung der Drohnen dürfte der Versuch der Israelis sein, ihre Feinde möglichst zielgenau zu treffen. Denn hohe zivile Verluste beim Gegner bedeuten im Rahmen des heutigen Propagandakriegs eine schlimmere Niederlage als eine verlorene militärische Schlacht. Flächenbombardements von ganzen Städten, wie noch während des Zweiten Weltkriegs üblich, sind heute fast ausgeschlossen.
(C) Ulrich W. Sahm
Hier der kanadische Film: Faszinierend, 45 Minuten lang
http://www.iba.org.il/media/?recorded=1&starting=905258
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Neuer israelischer Botschafter in Berlin
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 10. Januar 2012
Yaacov Hadas-Handelsman, 55, wird neuer Botschafter des Staates Israel in der Bundesrepublik Deutschland. Das hat am Dienstag der Oberste Ernennungsausschuss des Außenministeriums in Jerusalem entschieden. Die Ernennung muss noch von der israelischen Regierung bestätigt werden.
Seit August 2011 vertritt der Karrierediplomat den Staat Israel als Botschafter bei der Europäischen Union und der NATO in Brüssel. Zuvor war er stellvertretender Generaldirektor und Leiter der Abteilung Naher Osten und Friedensprozess im Außenministerium in Jerusalem.
In den Jahren 2003 bis 2006 war er Botschafter in Jordanien. In seiner diplomatischen Laufbahn hatte er außerdem Posten in Katar, Großbritannien, Österreich und in der Türkei inne.
Hadas-Handelsman trat im Jahr 1983 in den auswärtigen Dienst ein, nachdem er acht Jahre beim Militär gedient hatte. Er hat seinen B.A. in Internationalen Beziehungen und Nahoststudien an der Universität Tel Aviv und seinen M.A. in Nahoststudien an der Hebräischen Universität Jerusalem absolviert.
Yaacov Hadas-Handelsman wurde am 22.8.1957 in Tel Aviv geboren. Er ist verheiratet und hat drei Söhne.
Er spricht Hebräisch, Englisch, Deutsch, Arabisch und Türkisch.
Der neue Botschafter werde seinen Posten in der Nachfolge von Joram Ben Zeev in Kürze antreten, hieß es in einer Verlautbarung des israelischen Außenministeriums.
Am Dienstag hatte Korrespondent Eldad Beck im Massenblatt "Jedijot Achronot" die umgehende Erennung eines neuen israelischen Botschafters in Berlin in einem Kommentar gefordert. Obgleich Bundeskanzlerin Angela Merkel so pro-israelisch sei, wie keiner ihrer Vorgänge, habe sich eine scharfe anti-israelische Stimmung in Deutschland ausgebreitet, die inzwischen zu ernsten Krisen geführt habe. Der neue Botschafter in Deutschland müsse den Mut haben, den Deutschen "die Wahrheit ins Gesicht" zu sagen und sie an ihre "historische Verpflichtung" gegenüber den Juden erinnern. (C) Ulrich W. Sahm
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ISRAELNETZ, Mittwoch, 11. Januar 2012
Von Elisabeth Hausen
Mehr Bauprojekte in Siedlungen
JERUSALEM (inn) - Der israelische Siedlungsbau hat im Jahr 2011 einen neuen Rekord erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr sei ein Anstieg um 20 Prozent zu verzeichnen, teilte die Organisation "Schalom Achschaw" (Frieden jetzt) am Dienstag mit.
Nach Angaben der Aktivisten wurden 1.850 neue Bauprojekte begonnen. Im Jahr 2010 seien es noch 1.550 gewesen. Die Zahlen basierten auf Luftaufnahmen und Besuchen im Gebiet während der ersten acht Monate des Jahres. Deshalb sei zu vermuten, dass die wirklichen Zahlen noch höher lägen. Auch sei der Bau von 3.500 Wohneinheiten, der vor 2011 angefangen hatte, fortgesetzt worden, hieß es laut der Tageszeitung "Yediot Aharonot".
Die größte Zahl an Neubauprojekten hat "Schalom Achschaw" nach eigener Aussage in den ultra-orthodoxen Städten Modi´in Ilit (146) und Beitar Ilit (106) im Westjordanland festgestellt. In Ostjerusalem seien 3.690 neue Wohneinheiten genehmigt worden. In den palästinensischen Vierteln seien 55 Einheiten an drei Orten errichtet worden.
Der Vorsitzende von "Schalom Achschaw", Jariv Oppenheimer, kritisierte den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu. Dieser habe "den Baurekord seiner Regierung gebrochen und in bedeutsamer Weise das Bauen in den Gebieten beschleunigt. In diesem Rhythmus befindet sich die Zweistaatenlösung in Gefahr. Was gestern ein illegaler Außenposten war, wird unter der Regierung zu einer neuen und erweiterten legalen Siedlung". Für jedes Haus, das geräumt wurde, seien Dutzende andere Gebäude in Außenposten genehmigt worden.
Der Leiter des Siedlerrates, Dani Dajan, bekundete seine Freude darüber, "dass Schalom Achschaw die Gelder, die es von den Staaten Europas erhält, freigibt, um das wichtigste zionistische Projekt unserer Generation zu dokumentieren - die Erneuerung des jüdische Siedelns im Herzen des Landes". Er fügte hinzu: "Wie frustrierend sind die Aufgaben derjenigen, die noch nie ein Haus gebaut oder einen Baum gepflanzt haben und nur versuchen, zu zerstören, was andere bauen."
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ISRAELNETZ, Mittwoch, 11. Januar 2012
Von J. Kreis
Domingo und Rattle erhalten israelischen Wolf-Preis
JERUSALEM (inn) - Der spanische Startenor Placido Domingo (70) und der britische Dirigent Simon Rattle (56) sind mit dem angesehenen Wolf-Preis der Kategorie Kunst ausgezeichnet worden. Dies bestätigte eine Sprecherin der Wolf-Stiftung am Mittwoch. Sie teilen sich den mit knapp 80.000 Euro dotierten Preis, der am 13. Mai von Staatspräsident Schimon Peres feierlich im Parlament verliehen werden soll.
Domingo sei einer der größten Tenöre aller Zeiten, hieß es in der Begründung der Jury. Rattle, Dirigent der Berliner Philharmoniker, wurde für sein breites Repertoire und die hohe Qualität der musikalischen Ausführung gelobt.
Im Bereich der Physik wurde der israelische Wissenschaftler Jaakov Bekenstein von der Hebräischen Universität in Jerusalem ausgezeichnet. Die anderen fünf Preisträger in den wissenschaftlichen Sparten stammen aus den USA.
Die Wolf-Stiftung wurde 1978 von dem in Deutschland geborenen Erfinder, Diplomaten und Philanthropen Ricardo Wolf gegründet. Der Preis gilt im wissenschaftlichen Bereich als eine Art "Vorstufe" für den Nobelpreis. Er wird jedes Jahr in vier wissenschaftlichen Disziplinen und im Bereich der Kunst verliehen - in diesem Jahr waren es Physik, Chemie, Medizin, Mathematik und Musik.
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ISRAELNETZ, Freitag, 6. Januar 2012
Von Elisabeth Hausen
Mehr Israelis bleiben im Ausland
JERUSALEM (inn) - Trotz der finanziellen Anreize sind 2011 weniger Israelis dauerhaft aus dem Ausland zurückgekehrt als in den beiden Vorjahren. Seit 2009 erhalten Wiedereinwanderer vom Staat besondere Vergünstigungen.
Wie die Tageszeitung "Ha´aretz" meldet, wurden im vergangenen Jahr 8.492 Rückkehrer gezählt. 2009 waren es fast 12.000 - damals hatte die Regierung nach dem 60-jährigen Bestehen des jüdischen Staates die besonderen Anreize eingeführt, um im Ausland ansässige Israelis ins Land zu locken. Viele Rückkehrer teilten mit, diese Vergünstigungen hätten bei der Entscheidung eine Rolle gespielt. Manche beschwerten sich hingegen über Hindernisse etwa bei der Einfuhr ihres eigenen Fahrzeugs.
Im September 2008 hatte die Knesset ein Gesetz verabschiedet, nach dem Einwanderer in Israel für zehn Jahre von Steuern auf ausländisches Kapital befreit werden sollen. Die Regelung ist Teil eines Reformpakets, das Diasporajuden zur Immigration und Israelis im Ausland zur Rückkehr ermuntern soll. Die Initiative gehört zum Projekt "Heimkommen zu Israels 60. Geburtstag".
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Osmanische Liebespfeife
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 29. Dezember 2011
Bei Ausgrabungen in der Altstadt Jerusalem wurde eine "Liebespfeife" aus der osmanischen Zeit gefunden. "Liebe ist die Sprache der Liebenden" steht auf dem Mundstück einer Wasserpfeife in arabischen Lettern.
Die (türkisch-) Osmanischen Behörden, die zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert über ein Weltreich zwischen Bagdad, Jemen, Ägypten und bis nach Libyen herrschten, versuchten zunächst, die (Un-) Sitte des Rauchens zu bekämpfen. Aber der Genuss von Tabak und sogar Haschisch hat sich schnell in allen Schichten der Gesellschaft eingebürgert, bei Männern wie bei Frauen. Bis heute gibt es in der Altstadt Jerusalem zahlreiche Kaffeehäuser, in denen meist Männer Wasserpfeife rauchen, Scheschbesch spielen und dazu einen bitteren Kaffee schlürfen.
Nach Angaben der Archäologin Kate Rafael habe wohl ein Mann seiner Geliebten das Mundstück mit der persönlichen Liebesinschrift geschenkt. Solche Mundstücke von Wasserpfeifen seien gelegentlich auch als Schmuck an einer Kette um den Hals getragen worden. (C) Ulrich W. Sahm
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NEWSLETTER ISRAELISCHE BOTSCHAFT BERLIN / Ynet, Dienstag, 27. Dezember 2011
Israel als Wasserexporteur
Wie das Finanzministerium am Dienstag bekannt gegeben hat, planen die israelischen Wasserwerke den Bau einer Meerwasserentsalzungsanlage, die Israel jährlich mit 100 Millionen Kubikmeter Wasser versorgen soll. Die Anlage soll in der Nähe der Küstenstadt Ashdod entstehen und Wasser aus dem Mittelmeer entsalzen. Sie wird mit vier weiteren Entsalzungsanlagen zusammengeschlossen, die bis Ende 2013 gemeinsam 85% des israelischen Wasserverbrauchs abdecken sollen.
„Wir werden in den kommenden Jahren sogar Wasser in die Natur zurückführen und an unsere Nachbarn verkaufen können“, erklärte Energieminister Uzi Landau. Israel besteht zu zwei Dritteln aus Trockengebieten und hat sich weltweit zum Spitzenreiter auf dem Gebiet der Meerwasserentsalzung und Abwasserreinigung entwickelt.
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ISRAELNETZ, Montag, 16. Januar 2012
Von M. Schubert
Türkei sendet jüdischen Sänger zum ESC
ANKARA (inn) - Der Sänger Can Bonomo vertritt beim Eurovision Song Contest (ESC) am 26. Mai in Baku die Türkei. Was viele nicht wissen: Der aus Izmir stammende Künstler ist Jude. Bonomo soll sephardischer Jude sein, das heißt ein Jude spanisch-orientalischer Herkunft.
Die türkische Radio-und Fernsehanstalt TRT nominierte den 24-jährigen Sänger direkt. Die Wahl von Bonomo kam für das Publikum überraschend, denn vor der Bekanntgabe des türkischen ESC-Vertreters war der Sänger offiziell gar nicht für die Teilnahme nominiert.
Der junge Mann ist ein national bekanntes Multitalent: Bonomo ist Moderator, Radioproduzent, Autor und Sänger, heißt es auf der offiziellen Internetseite des ESC. Mit acht Jahren habe er begonnen, Gitarre zu spielen, mit 17 sei er bereits Profimusiker gewesen. Zum Wettbewerb in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku möchte der Izmirer ein englischsprachiges Lied singen.
Die Türkei hat seit 1975 insgesamt 32 Mal am Eurovision Song Contest teilgenommen. Neun Mal erreichte das Land eine Top-Ten-Platzierung. Im Jahr 2003 siegte Sertab Erener in Riga mit dem Lied "Everyway That I Can". Damals trat die Türkei erstmalig in der ESC-Geschichte des Landes mit einem rein englischsprachigen Text an.
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www.israelmagazin.de
Löwentor
Im Nordosten, nahe der ehemaligen Festung Antonia und kurz vor dem Anfang der Via Dolorosa, führt eine Straße durch den meist als Löwentor bezeichnete Zugang in das arabische Viertel der Jerusalemer Altstadt. Sein Name geht einer muslimischen Legende nach auf Suleiman zurück. Diesem wurde prophezeit, sollte er Jerusalem nicht mit einer Mauer umgeben, würde er von Löwen zerrissen.
Neben den Zinnen und einigen gröberen Verzierungen fallen – dem Tor zur Bestimmung – je zwei mamelukkische Löwen beiderseits des Torbogensn auf. Diese stammen aus der Zeit Sultans Baybars, der in den Jahren 1260-77 herrschte.
… oder auch Stephanstor
Nach christlicher Überlieferung wurde Stephanus durch dieses Tor zur Steinigung geführt. Daher trägt es in christlichen Kreisen auch den Namen Stephanstor.
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Der Banias Wasserfall
Gewaltig donnern die kristallklaren Wassermassen, in Spitzenzeiten bis zu 270.000 Liter pro Minute, durch das Nadelöhr hinunter und bahnen sich ihren Weg ins Tal – ein ohrenbetäubendes Naturschauspiel, aber sehr erfrischend. (© Matthias Hinrichsen)
Hermon Stream (Banias) Nature Reserve
Zwischen der Banias Quelle und dem Banias Wasserfall liegen etwa 7 Kilometer Distanz. Mit dem Auto erreichen Sie beide Sehenswürdigkeiten über verschiedene Zufahrten. Sie können auch zu Fuß von der Quelle zum Wasserfall oder umgekehrt gehen, was etwa 1,5 Stunden in Anspruch nimmt, je Richtung. Bedenken Sie, dass Sie diesen Weg wieder zurückgehen müssen, um Ihr Auto zu erreichen. Für Gruppen bietet sich diese kleine Wanderung sehr gut an, wenn Sie am Ziel in den Bus steigen können. Noch eins zur Bezeichnung: Banias und Hermon als Bach- bzw. Flussnamen werden synonym verwendet. In Israel heißt er Hermon Stream, Banias in verschiedenen Schreibweisen wird sehr oft verwendet, um den Unterschied zum Berg Hermon zu verdeutlichen.
Der Banias/Hermon (Fluss) entspringt am Fuße des Berges Hermon und fließt kraftvoll 3,5 Kilometer lang durch eine Schlucht, um schließlich als Banias Wasserfall in die Tiefe zu stürzen. Es ist das eindruckvollste Wasserfallschauspiel Israels! Die Höhe beträgt zehn Meter, was einem vor Ort nicht so vorkommt. Die Klippen sind aus Basaltgestein, der von Travertin überzogen ist. Die Durchflussmenge variiert zu den Jahreszeiten sehr deutlich, im Herbst sind es “nur” noch 42.000 Liter pro Minute, im Frühjahr dagegen 270.000 Liter pro Minute. Diese Mengen drücken unaufhörlich über die obere Kante des Wasserfalls, dessen Kraft und Wucht Sie als Besucher live erleben können. Auch bei großer Hitze im Sommer wird dieser Ort eine angenehme Erfrischung sein.
Neun Kilometer von seiner Quelle entfernt, treffen sich die Flüsschen Banias und Dan und es entsteht der Jordan. Mit dem Flüsschen Banias gelangen so 125 Millionen Kubikmeter (!) jährlich, da sind 125 Milliarden Liter oder 780 Millionen Badewannen voll, in die Lebensader Jordan.
Entlang des Baches gedeihen orientalische Platanen, Lorbeerbäume, Feigenbäume, Frauenhaar-Farne, Pappeln und Weiden. An den Hängen gibt es Kermes-Eichen, Storaxbäume sowie eine Vielzahl von mediterranen Gewächsen, die sich je nach Jahreszeit verändern. Das untere Banias Reservat ist ein offiziell ernanntes Naturreservat. Die auf den Hinweisschildern aufgeführten Regeln müssen unbedingt befolgt werden.
Besucherhinweise
- Schwierigkeitsgrad: mittelschwer
- Geeignet für: Wanderer
- Dauer: 1 Stunde
- Beste Besuchszeit: ganzjährig
- Öffnungszeiten: April-September 8.00-17.00
Uhr; Oktober-März 8.00-16.00 Uhr; freitags und an Feiertagen 1 Stunde
früher; letzter Einlass eine Stunde vor Schließung
- Telefon: 04-690-2577 (Quelle); 04-695-0272
(Wasserfall)
- Eintritt: Erwachsene NIS 25/Kinder NIS 13,
Gruppen ab 30 Personen NIS 21/12; Kombiticket: Banias + Festung Nimrod:
Erwachsene NIS 36/Kinder NIS 18, Gruppen ab 30 Personen NIS 32/17
- Hunde sind nicht erlaubt
- Rollstuhlfahrer: leider nicht geeignet
- Anreise: Quellen – etwa 3 km östlich des
Kibbutz Snir auf der Straße Nr. 99 (Kiryat Shmona-Mas`adeh); Wasserfall –
etwa 2 km östlich des Kibbutz Snir auf der Straße Nr. 99