CHAVERIM - Freundschaft mit Israel e.V.
Anerkannter Kulturträger der Stadt Norderstedt
niemand sagt etwas. Niemand bewegt sich. Kein Auto, kein Bus, keine Bahn fährt. Kein Flugzeug fliegt. Alle Menschen stehen still und gedenken der sechs Millionen jüdischer Opfer des deutschen Nazi-Regimes. In Israel. Zum Shoah-, zum israelischen Holocaust-Gedenktag. Jetzt ist diese Zeremonie endlich auch bei uns angekommen. Heute (Donnerstag) um 12 Uhr stehen alle Bahnen still, alle Arbeit ruht. Heute um 12 Uhr wehrt sich Deutschland gegen Rechts-Extremismus und gedenkt aller Opfer, die die Neo-Nazis gefordert haben. Um 12 Uhr schweigt Deutschland. Gewerkschaften, Arbeitgeber und Kirchen rufen zum Gedenken an die Opfer auf. Auch die U-Bahnen und die Busse stehen für eine Minute still!
CHAVERIM bittet Sie alle, wie in Israel aufzustehen und in einer Schweige-Minute der Opfer zu gedenken: Gegen Rechts, geben die unerträglichen Gestrigen!
Doch es hat ihnen nicht geholfen: Die jüdische Kunst und Kultur lebt!
Welch' ein Festival! Nach Noa und Avishai Cohens fulminanten Konzerten - ich berichtete im letzten Newsletter darüber (s.www.chaverim-norderstedt.de) bot "Sounds of Israel" weiterhin ein wunderbares Festival über alle Bühnen der Hansestadt! Welch' eine tolle Gelegenheit, Israels Musik und Kultur in Norddeutschland zu verankern, welch ein fulminantes Israel-Festival ist in Hamburg am Sonntag ganz klassisch und edel und mit einem Riesen-Applaus zu Ende gegangen. Beispielsweise mit dem Duo Amal (arabisch, auf Deutsch Hoffnung). Bishaa Haroni aus Palästina und Yaron Kohlberg aus Israel fanden sich in Jerusalem zu ihrem Duo zusammen. "Wir haben eine sehr persönliche Beziehung aufgebaut", sagt das Duo, das jetzt Tür an Tür in Berlin wohnt und arbeitet. Ihr Konzert im Miralles Saal der Hamburger Jugendmusikschule war geprägt von einem kongenialen Zusammenspiel, von sehr eigenwilligen, aber aufregenden Interpretationen der romanischen Werke Segej Rachmaninows, aus dessen tänzerischen Partien sie einen wunderbaren Spaß herausspielen, von einer erforschenden Intuition bei der Uraufführung von Samir Odeh Tamimis "Neues Werk". Der Komponist erhielt ebenso wie die Interpreten riesigen Applaus. Auf dem Programm stand noch die Uraufführung von Afner Dormans "Neues Werk". Warum das Duo Amal dieses Werk nicht gespielt hat, wollten sie nicht verraten. Bleibt "Amal" - "Hoffnung". Hoffnung auf Frieden.
Gefeiert wurden auch Idan Raichel und seine Musiker für ihr absolut mitreißendes, zutiefst berührendes Konzert in der Laeiszhalle. Mit der klassischen Variante und hervorragend aufspielenden "Jerusalem Chamber Music Festival mit klang "Sounds of Israel" mit viel Mozart, aber zum Glück auch mit "Night Horses" des Pianisten Matan Porat aus. Da Capo!
Liebe Freunde,
wir weihen den Norderstedt-Wald am 1. März ein! Am Sonnabend starten wir mit Norderstedts Stadtpräsidentin Kathrin Oehme, mit Norderstedts Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote, mit Baum-Spendern und Chaverim-Freunden nach Israel. Wir werden zügig über die Reise und vor allem über die Einweihung des Norderstedt-Waldes berichten. Lesen Sie auch bitte das Hamburger Abendblatt, Regionalausgabe Norderstedt, denn mein Kollege Andreas Burgmayer reist mit und wird eventuell gleich berichten!
Begleiten Sie uns gedanklich auf dieser Einweihungsreise! Herzlichen Dank!
Ein herzliches Shalom
und schon jetzt ein gutes Wochenende!
Ihre
Heike Linde-Lembke und Ayala Nagel
(Vorsitzende CHAVERIM)
***************************************************************************
Liebe Freundinnen und Freunde,
bei den ERÖFFNUNGSWOCHEN des KULTURWERK AM SEE
vom 17. März bis 1. April 2012
hat CHAVERIM ein besonderes Highlight!
Nach der Buchmesse in Leipzig liest der israelische Erfolgsautor Jehoschua Kenaz nur noch für uns in Norderstedt, und zwar am Sonntag, 18. März, 19 Uhr, während der Eröffnungswochen des Kulturwerks am See in Norderstedt.
Jehoschua Kenaz stellt auf der Leipziger Buchmesse sein neustes Werk vor, allesamt tragikomische Geschichten über die Absurdität des Alltags in Israel.
Neben Amos Oz und Abraham Jehoschua gehört Jehoschua Kenaz zu den bekannten zeitgenössischen Schriftstellern Israels. Seine neuen Erzählungen beleuchten das letzte halbe Jahrhundert, den Alltag und die Abgründe im Leben der Menschen in Israel. Doch sie zaubern auch bei aller Eindringlichkeit und Verlorenheit ihrer Protagonisten immer wieder den Lebenshumor zutage. "Die Nachmittagsvorstellung" - das sind neun Geschichten über das Leben in Israel, Geschichten von Kindern, Frauen und Männern, die Kenaz mit liebevoller Ironie erzählt.
Jehoschua Kenaz wurde 1937 in Petach Tikwa geboren. Er studierte in Jerusalem und Paris. 1960 erschien seine erste Erzählung. Jehoschua Kenaz ist einer der angesehensten Schriftsteller Israels und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet er als Übersetzer klassischer französischer Literatur und Theaterkritiker. Er lebt heute in Tel Aviv.
Karten zu zwölf Euro, ermäßigt sieben Euro, gibt es im TriBühne Ticket-Corner im Rathaus-Pavillon an der Rathausallee 34, bei Herrmann Touristic Norderstedt Herrmann, Rathausallee 19, Touristic Hamburg, Ernst-Mittelbach-Ring 57, Holiday-Land Reisebüro Henstedt-Ulzburg, Beckersbergstr. 1, Hamburger Abendblatt Ticketshop im Herold-Center, Stadtbücherei Norderstedt-Friedrichsgabe, Pestalozzistr. 1, Stadtbücherei Norderstedt Glashütte, Mittelstraße 62, an der Abendkasse, unter Telefon 040/30987123 und unter www.kulturwerk-am-see.de
Am Kulturwerk 1 (für das Navigationsgerät: Stormarnstr. 55)
***************************************************************************
HAMBURGER ABENDBLATT/ REGIONALAUSGABE NORDERSTEDT, Mittwoch, 22. Februar 2012
Das ist Nachhaltigkeit zum Anfassen
Die Erfolgsgeschichte des Norderstedter Umweltbildungsprojektes "Klasse! Im Grünen" wird weiter geschrieben.
Die ganz Kleinen sorgten für den ganz großen Erfolg im Programm der Landesgartenschau. 835 Kita-Gruppen und Schulklassen erlebten 2011 beim Programm der "Klasse! Im Grünen", wie Natur riecht, schmeckt, wie sie sich anfühlt und wie und wo sie für die Lebensräume unzähliger Lebewesen sorgt. Das Umweltpädagogische Konzept der Gartenschau hat über die Grenzen der Stadt Aufmerksamkeit erregt. Und es wird das weiter tun: Denn in diesem Jahr geht die "Klasse! Im Grünen" in das nächste Schuljahr. Und etliche Träger des vergangenen Jahres der Angebote sind wieder Teil des umfangreichen Programms für alle Altersstufen.
"Die enorme Resonanz auf dieses Angebot hat uns gezeigt, dass das Potenzial dafür in der Region noch nicht ausgeschöpft ist", sagt Gesche Beukenberg, die Koordinatorin des Umweltbildungsprojektes. Nun soll es für Nachhaltigkeit im Programm des Stadtparks sorgen. "Wir haben am Stadtparksee eben nicht nur Gebäude und eine Parkanlage geschaffen. Mit der "Klasse! Im Grünen" haben wir einen Wert geschaffen, den man der Stadt nicht mehr nehmen kann. Der Stadtpark als Ort des Lernens und Entdeckens für Kinder und Jugendliche ist keine Vision mehr, sondern schon jetzt erfreuliche Realität", sagt Stadtpark-Geschäftsführer Kai Jörg Evers.
Dass 2012 wieder mehr als 800 Gruppen in den Stadtpark pilgern werden, das wagt Evers nicht zu hoffen. "Wir peilen Anmeldezahlen von etwa 200 Gruppen an. Wenn es mehr werden, würden wir das natürlich erfreut zur Kenntnis nehmen."
Am bewährten Programm der "Klasse! Im Grünen" wurde nicht viel verändert. Erneut gibt es drei Pakete für Kindergarten und Vorschule, für die Grundschulen und die weiterführenden Schulen bis zur 10. Klasse. Das "Schuljahr" im Stadtpark dauert fast sechs Monate, vom 16. April bis 2. Oktober. In fünf Themenbereiche (Seepark, Waldpark, Feldpark, Klima und Energie sowie Etwas Besonderes) werden die Kurse - je nach Alterklasse aufbereitet - angeboten. Auch Kinder- und Jugendgruppen außerhalb von Schule und Kindergarten können teilnehmen. Um das Prinzip der "Klasse! Im Grünen" zu beschreiben, zitiert Gesche Beukenberg Konfuzius: "Erkläre mir, und ich vergesse. Zeige mir, und ich erinnere. Lass es mich tun, und ich verstehe." Wenn Schüler im Unterricht mit Fakten berieselt werden, drohten sie wegzudämmern, sagt Beukenberg. "Wenn sie machen dürfen, wenn sie durch eigenes Handeln, Forschen und Entdecken Natur erleben, dann haben sie ein ganz anderes Erfolgserlebnis. Dies ist eine Grundvoraussetzung, um achtsam und nachhaltig mit Natur umzugehen."
Die Arche Warder, der Verein Chaverim - Freundschaft mit Israel, der Förderverein Stadtpark Norderstedt, die Norderstedter Werkstätten, die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten und die Universität Flensburg bieten die Kurse an. Neue Anbieter sind die drei Natur- und Landschaftsführerinnen Antje Hillienhoff, Dörte Meyn und Jori Kuiper und der Weltladen Norderstedt. Mit ihnen allen werden die Kinder und Jugendlichen zum Beispiel die Obstbaumwiese als Lebensraum von Tieren und Nahrungslieferanten der Menschen entdecken, die Bodenschätze aus Feld, Wald und Moor heben, das (Un-)Kraut am Wegesrand unter die Lupe nehmen oder mit Kescher und Becherlupe das Ökosystem See und die spannende Verwandlung der Kaulquappe in eine Erdkröte untersuchen.
"Das ist Bildung, wie wir sie brauchen", sagt Norderstedts Schuldezernentin Anette Reinders. "Raus aus den Klassenzimmern, rein in die Natur. So kann man die Nachhaltigkeit aus eigener Erfahrung erleben. Und vor allem: Die Kinder lernen mit Spaß. Ich bin stolz, dass wir diese Erfolgsgeschichte am Stadtparksee weiterschreiben."
Die Finanzierung des Projektes ist durch die Stadt Norderstedt und Sponsoren gesichert. "Wir beteiligen uns mit einem namhaften Betrag an der ,Klasse! Im Grünen'. 100 000 Euro sind für die Umweltbildung im Haushalt eingestellt", sagt Schuldezernentin Reinders. Die Umweltstiftung "Europa Möbel", zu der auch der Polstermöbelanbieter Kabs gehört, sicherte dem Programm gerade 7500 Euro an Spenden zu, und auch die Sparkasse Südholstein und die Stadtwerke engagieren sich finanziell.
1800 Einrichtungen wurden bereits mit den Broschüren versorgt. Die ersten Anmeldungen laufen ein.
Pro Kind zahlen die Eltern einen Beitrag von 4 Euro. Das Anmeldeformular gibt es auf der Homepage des Stadtparkes. Bei Fragen steht Gesche Beukenberg unter der Telefonnummer 040/325 99 30 22 zur Verfügung.
www.stadtpark-norderstedt.de
***************************************************************************
ISRAELNETZ; Montag, 20. Februar 2012
Von M. Schubert
Friedenspreis für israelisch-arabischen Musiker
NEW YORK / NAZARETH (inn) - Der israelisch-arabische Violinenspieler Nabeel Aboud-Ashkar wird mit dem "Yoko Ono Lennon Courage Award" geehrt. Anlass der Auszeichnung ist sein Einsatz für den jüdisch-arabischen Dialog und das Miteinander durch die klassische Musikausbildung. Der Preis wird seit 2009 jährlich an Künstler verschiedener Sparten überreicht, die den Frieden durch Kunst fördern.
Der 34-jährige Araber ist Leiter des Polyphonie-Konservatoriums in Nazareth. Im März 2011 hat er die Musikstätte gegründet, um Toleranz und das Miteinander durch klassische Musik zu fördern. "Die Organisation glaubt daran, dass wir durch Musik gleiche Chancen für musikalische Ausbildung und einen Dialog zwischen arabischen und jüdischen Jugendlichen in Israel ermöglichen können", zitiert die Tageszeitung "Ha´aretz" Abboud-Ashkar.
Die John Lennon-Witwe Yoko Ono hatte den Geiger diesen Monat während eines Konzerts in New York getroffen. Dort traten zwei seiner Schüler auf. Mit Yoko Ono saß auch der Beatles-Agent Peter Brown im Publikum. Dieser informierte Abboud-Ashkar telefonisch und informierte ihn, dass Yoko Ono ihn für den Preis ausgewählt hatte.
"Der Sieg gab mir das Gefühl, dass es Menschen auf der ganzen Welt gibt, die an unseren Weg glauben", so der Geigenspieler. Ono schrieb auf ihrer Homepage: "Ich realisierte, dass ein Künstler, der die Wahrheit in seiner Kunst zeigen will, viel Mut braucht. Ich erkannte, dass dieser Mut Kinder aus Israel und der Palästinensischen Autonomie zusammenbringt, und die Gemeinsamkeit in der Musik ist ein starker und wirksamer Anfang in Richtung Frieden."
Ashkar wurde in Nazareth geboren und absolvierte seinen Master an der Hochschule für Musik in Rostock. Er erhält den Preis am 26. Februar im Rahmen einer Veranstaltung im "Museum of Modern Arts" in New York.
***************************************************************************
ISRAELNETZ, Freitag, 17. Februar 2012
Von A. Wirth
Israel und Deutschland: Freunde oder Fremde?
BERLIN (inn) - Verbindet Deutschland eine Freundschaft zu Israel? Darüber diskutierten israelische und deutsche Experten am Freitag in der Berliner "Heinrich-Böll-Stiftung". Auch wenn sie in dieser Frage keine Einigung erzielten, machten sie vor allem Aspekte aus, die beide Kulturen trennen: Das Verständnis von Staat, Religion und dem Einsatz des Militärs.
Auf die Frage, ob Israel und Deutschland tatsächlich so etwas wie "Fremde Freunde" sind, wie es der Titel der Tagung suggerierte, fanden die eingeladenen Sprecher unterschiedliche Antworten. Israel sei der Staat der Juden und habe damit ein universalistisches, ethnisch-religiöses Selbstverständnis, führte etwa der Historiker Michael Wolffsohn aus. Für Israel sei der Staat eine "große Errungenschaft", die Religion sei dort unentbehrlich. Deutschland hingegen habe den Glauben an einen Staat seit dem Nationalsozialismus abgelegt.
Weil die christlichen Kirchen im Zweiten Weltkrieg als ethische Instanzen versagt hätten, sei auch die religiöse Säule des israelischen Staatsverständnisses in Deutschland nicht mehr tragend. Während die Deutschen Landverzicht als friedensschaffend erlebt hätten, machten die Israelis nach wie vor die Erfahrung: Land bringt uns Sicherheit, Landverzicht bringt keinen Frieden. Wolffsohn sprach von einer "wechselseitigen Fremdheit" beider Völker. Spätestens seit den 80er Jahren distanziere sich die deutsche Öffentlichkeit massiv von Israel. Umfragen zeigten, dass die Deutschen Israel als einen der unbeliebtesten Staaten einstuften.
Der Knessetabgeordnete Nitzan Horowitz (Meretz) plädierte dafür, die "Dinge in die richtigen Verhältnisse zu rücken". Israel sei ein junges Land, sagte er und fragte, wie lange Europa gebraucht habe, um Abstand von der Religion zu gewinnen. Die Vielfalt der Religionen im "Heiligen Land" sei eine "schwere Last". Schließlich wolle Israel ein moderner Staat sein, sei aber gezwungen, mit den "alten Konstrukten" umzugehen. So sprach er sich für eine Balance zwischen Staat und Religion aus.
Militär als Bremse der Freundschaft
Doch nicht nur in Fragen des Staats- und Religionsrechts unterscheiden sich Israel und Deutschland. Die Präsenz von Soldaten und Militärgewalt ist im einen Land Normalität, im anderen seit dem Nationalsozialismus eher verpönt. Der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour erklärte, die Deutschen verbinde die Erkenntnis, dass militärische Gewalt verheerend sein könne. Die israelische Lage sei Deutschland daher fremd, auch wenn das Verständnis durch zunehmende Auslandseinsätze deutscher Soldaten gewachsen sei. Israel sei hingegen mit einer permanenten realen Bedrohung konfrontiert, die eine ständige Militärpräsenz notwendig mache.
Der Vorstand der "Heinrich-Böll-Stiftung", Ralf Fücks, erklärte, Israel sei ein Projekt "jüdischer Stärke", geboren aus dem Wunsch, "nie wieder Opfer" sein zu wollen. "Ich verstehe die israelische Atomwaffe als eine Rückversicherung gegen die existenzielle Bedrohung", sagte er und nannte sie "nachvollziehbar". Sollte der Iran sich nuklear bewaffnen, fürchtet er eine aggressive Hegemonialpolitik Mahmud Ahmadinedschads in der Region. Für Fücks liegt die Lösung für diese Frage in der Schaffung eines jüdischen und palästinensischen Staates - im Gegenzug solle Israel in die NATO aufgenommen werden.
Wie mit dem Iran umgehen?
"Die Anwendung militärischer Gewalt ist immer ein Übel", stellte Nouripour klar. Manchmal sei sie dennoch notwendig - im Falle Iran forderte er aber, davon abzusehen. Zunächst müssten "zivile und diplomatische" Mittel ausgeschöpft werden. Ob ein Angriff auf den Iran die israelische Bevölkerung schützen könne, sei zudem fraglich. Nur weil Deutschland sich Israel verbunden fühle, müsse es ihm nicht in einen Krieg folgen. Das zeige das Beispiel USA, zu denen Deutschland ebenfalls eine "dicke Freundschaft" pflege, den Irakkrieg aber dennoch abgelehnt habe.
Der soziale Aktivist und Historiker, Gadi Algazi, wies darauf hin, dass nicht nur der Iran aufrüsten wolle. Auch in Israel gebe es atomare Waffen. Gewalt existiere auch im Inneren Israels, etwa gegen die arabische Bevölkerung in Hebron. Algazi sieht eine Diskriminierung von Arabern und Beduinen durch den Staatsapparat. Den Vorschlag Fücks, Israel in die NATO aufzunehmen, nannte er "imperiales Gehabe".
***************************************************************************
ISRAELNETZ, Montag, 20. Februar 2012
Von Martina Schubert
Auf der Flucht durch die Hölle
Sie kommen aus Äthiopien, dem Sudan, aus Eritrea. Was sie suchen, ist ein besseres Leben - afrikanische Flüchtlinge, die durch das Wüstengebiet der Sinai-Halbinsel nach Israel einwandern wollen. Womit sie allerdings auf ihrem mühsamen Weg Richtung "Gelobtes Land" konfrontiert werden, sind menschenverachtende Zustände. Sie werden entführt, misshandelt, vergewaltigt, ihnen werden Organe bei lebendigem Leib entfernt. Bis nach Israel gelangen sie oft gar nicht.
Ich habe zwischendurch nur auf meinen Tod gewartet. Es gibt Hunger und unvorstellbare Grausamkeiten. Schlimmer als alles, was man irgendwo lesen kann", sagt Teklit Michael, ein Flüchtling aus Eritrea, in einem Bericht der ZDF-Sendung "heute journal". Der Afrikaner war auf einer der gefährlichsten Flüchtlingsrouten der Welt unterwegs - von Ägypten über die Sinai-Halbinsel nach Israel. Menschenhändler nahmen Telikt gefangen. Er ist ihnen entkommen. Seine Erinnerungen an die schreckliche Zeit der Gefangenschaft werden ihn vermutlich sein ganzes Leben verfolgen.
Im November vergangenen Jahres strahlte der amerikanische Sender CNN einen Beitrag aus, der sich mit dem Menschenhandel auf der Sinai-Halbinsel befasste. Darin wurde berichtet, dass Flüchtlingen von Menschenschmugglern Organe entnommen worden seien. Diese würden auf Bestellung aus Kairo für Tausende Dollar verkauft. Drahtzieher dieses Handels sollen Beduinen sein. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schrieb am 9. Dezember, dass im Anschluss an die Fernsehsendung 611 Flüchtlinge freigelassen worden seien. Doch laut Angaben der Menschenrechtsorganisation "Ärzte für Menschenrechte-Israel" (PHR-Israel) agiert das Schmuggler-Netzwerk nach wie vor. Wie viele Menschen in der Wüste von Menschenhändlern festgehalten werden, ist offiziell nicht bekannt.
Doch warum setzen sich die Migranten einer solchen Gefahr aus? - Sie hoffen auf ein besseres, ein freies Leben.
In einem Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe steht, dass die Menschenrechte etwa in Eritrea massiv verletzt werden. In dem afrikanischen Land ist die Dauer des Wehrdienstes unbegrenzt. Das trifft auch auf das Dienen in militärisch organisierten Arbeitsbrigaden zu. Diese Brigaden werden laut Bericht zunehmend als öffentliche Zwangsarbeit wahrgenommen. Auch Kinder sollen zur Zwangsarbeit genötigt werden. Wehrdienstverweigerung kann in Eritrea mit dem Tod bestraft werden. So machen sich die Migranten auf, um in einem anderen Land frei von dieser Unterdrückung zu leben. Im Jahr 2011 gelangten laut der israelischen Behörde für Bevölkerung, Immigration und Grenzen 16.816 Einwanderer illegal nach Israel.
"Angekettet und gefoltert"
Doch viele kommen dort gar nicht an. Der Weg in Richtung "Heiliges Land" läuft mitunter so ab, dass die Flüchtlinge von Schmugglern in Ägypten zur israelischen Grenze gebracht werden sollen, jedoch zum Teil in regelrechte Folterlager in der Sinai-Wüste verschleppt werden.
Shivat Kidane, eine Frau, die aus Eritrea geflüchtet ist, beschreibt in der Sendung "Arte Journal" die Zustände in den Wüsten-Camps: "Wir haben schreckliche Dinge gesehen. Menschen erbrechen Blut, Menschen sind angekettet und werden gefoltert. Ich habe Flüchtlinge gesehen, denen sie Nieren gestohlen haben und die sie in der Wüste haben sterben lassen. Sie lassen die Verwundeten einfach umkommen."
Das Ziel der Menschenhändler: möglichst viel Geld verdienen. Sie versuchen Angehörige der Entführten zu erpressen. Bezahlen die Angehörigen den geforderten Geldbetrag, werden die Flüchtlinge meist an die israelische Grenze gebracht. Zahlen sie nicht, so werden die Migranten weiter gefoltert, vergewaltigt, ihnen werden Organe bei lebendigem Leib geraubt oder sie werden direkt umgebracht.
Der Handel mit Organen ist laut der CNN-Reportage nach dem Waffenhandel das lukrativste Geschäft - lukrativer als Drogenhandel oder das Geschäft mit Prostitution. Für ein Organ, beispielsweise Leber oder Niere, werden Preise von 1.000 bis zu 20.000 US-Dollar bezahlt, heißt es in dem Beitrag.
In Ägypten wurde erst 2010 ein neues Gesetz gegen Menschenhandel erlassen. Doch die ägyptische Polizei fühlt sich machtlos im Kampf gegen den Menschenhandel in den weitläufigen Gebieten des Sinais - größer als die Slowakei.
Organisationen wie "Ärzte für Menschenrechte-Israel" und "Hotline für Gastarbeiter" rufen die ägyptischen und israelischen Regierungen sowie die internationale Gemeinschaft auf, gegen diese Grausamkeiten vorzugehen, die Flüchtlinge zu befreien, die Schmuggler strafrechtlich zu verfolgen und die Folteropfer zu versorgen.
Sigal Rozen, Koordinatorin der "Hotline für Gastarbeiter", klagt an: "Wären die Geiseln Europäer, hätte man diesem Treiben längst ein Ende gesetzt".
***************************************************************************
Georgier ehren König David
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 22. Februar 2012
Ilya II, Patriarch von Georgien, hat den Oberrabbinern Israels ein ungewöhnliches Geschenk mitgebracht: einen mit Gold- und Silberfäden gestickten Vorhang aus reiner Seide, der im traditionellen Grab des Königs David auf dem Zionsberg in Jerusalem aufgehängt werden soll. Georgische Frauen hätten acht Monate lang den kostbaren Vorhang bestickt. Der sephardische Oberrabbiner Schlomo Amar hätte zunächst befürchtet, dass da auch christliche Symbole eingearbeitet worden seien, dann aber mit Freude festgestellt, dass da lediglich ein hebräischer Psalmenvers eingestickt worden sei.
Im Sitz der Oberrabbiner sagte der Aschkenasische Oberrabbi Jona Metzger zum Patriarchen: "Eure Heiligkeit, viele Kardinäle und Patriarchen haben uns in diesem Raum besucht. Sie brachten Bücher und Medaillen als Geschenke mit. Aber noch kein Geistlicher brachte einen Überzug für das Grab des Königs David, das mit so viel Liebe hergestellt worden ist."
Wie die Zeitung Jedijot Achronot am Mittwoch berichtet, habe der Patriarch das Grab des biblischen Königs besucht und mit dem Segen der Oberrabbiner den Vorhang auf das Grabmal gelegt.
Die Georgier glauben, von König David abzustammen. Die Psalmen, von denen viele König David verfasst habe, seien zudem sehr populär unter den georgischen Christen.
Während seines Besuches in Israel habe der als Komponist religiöser Musik und Maler bekannte Patriarch seine Aufwartung bei Staatspräsident Schimon Peres, beim Vorsitzenden der Knesset und bei dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas gemacht. (C) Ulrich W. Sahm
***************************************************************************
Ha'aretz, 20.02.12 - Bearbeitung des Original-Berichts: Newsletter Israelische Botschaft, Montag, 20.02.12
Netanyahu ist offenbar bereit, auf das Jordantal zu verzichten
Drei Wochen nach Ende der Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern in Amman hat die Tageszeitung Ha'aretz Details aus dem Vorschlag von Ministerpräsident Binyamin Netanyahu zum zukünftigen Grenzverlauf veröffentlicht.
Der Zeitung zufolge sah das Angebot Netanyahus vor, die großen Siedlungsblöcke Israel zuzuschlagen und dafür aber auf das Jordantal zu verzichten. Der Vorschlag wäre damit dem Angebot ähnlich, das die damalige Außenministerin Tzipi Livni 2008 in Annapolis unterbreitet hatte.
Haaretz wartet außerdem mit Details aus dem Verlauf der Gespräche auf. Dem Bericht zufolge stellte der israelische Verhandlungsführer Yitzhak Molcho bei seiner Ankunft zur ersten Runde der Gespräche in Amman fest, dass von palästinensischer Seite zu den Verhandlungen nicht wie vorher erklärt Verhandlungsführer Saeb Erekat erschienen war, sondern ein weniger hochrangiger Repräsentant der Palästinensischen Autonomiebehörde. Dieser war darüber hinaus nicht bereit, mit Molcho in einem Zimmer zu sitzen, so dass die Vertreter des Nahostquartetts zwischen den beiden Parteien hin und her pendeln mussten.
Beinahe zwei Monate, so Haaretz, habe es gedauert, bis es den Vertretern des Nahostquartetts gelang, die Palästinenser in den Verhandlungsraum zu bringen. Erst als der jordanische König Abdallah II sich dem Druck anschloss, stimmten sie zu.
Bereits beim zweiten Treffen am 3. Januar hätten die Palästinenser dann klar gemacht, dass für sie die Gespräche am 26. Januar beendet wären. Die Israelis waren verwundert: "Wir haben gerade erst begonnen zu sprechen, und Sie drohen bereits mit Abbruch der Gespräche", soll Molcho gesagt haben.
Ähnlich unproduktiv seien die übrigen drei Treffen verlaufen. So seien etwa Hinweise der Israelis auf anti-israelische Hetze wie die Aussagen des Muftis von Jerusalem von den Palästinensern nicht ernst genommen und als Verleumdung bezeichnet worden.
Die Vorschläge Netanyahus, die Molcho bei den Gesprächen vorstellte, orientierten sich, so Haaretz, in vielen Punkten an dem Angebot Tzipi Livnis in Annapolis. Dementsprechend sei davon auszugehen, dass Netanyahu bereit gewesen sei, auf mindestens 90% des Westjordanlandes zu verzichten.
Zum Ende des fünften Treffens am 25. Januar hätte Erekat dann noch eine Reihe von Fragen an die Israelis gestellt. Molcho habe gesagt, er sei gerne bereit, diese beim nächsten Treffen zu beantworten. Doch dazu sollte es nicht kommen: Einen Tag später erklärten die Palästinenser die Gespräche für beendet.
***************************************************************************
ISRAELNETZ, Montag, 20. Februar 2012
Von Elisabeth Hausen
Nazareth-Bewohner protestieren gegen Peres
NAZARETH (inn) - Dutzende Israelis haben am Montag gegen einen Besuch von Staatspräsident Schimon Peres in Nazareth demonstriert. Die Araber machen ihn für ein "Massaker" im Südlibanon aus dem Jahr 1996 verantwortlich.
Peres wollte auf Einladung der Stadtverwaltung das kulturelle Zentrum von Nazareth besuchen. Dort sollte er sich die Forderungen der Bewohner der nordisraelischen Stadt zu den Themen Forderungen örtlicher Tourismus, Bildung und Industrie anhören. Als sein Wagen vorbeifuhr, hielten die Demonstranten palästinensische Fahnen und Plakate. Darauf war unter anderem zu lesen: "Wir wollen keine Mörder in Nazareth", "Nazareth vereint gegen den Verbrecher Peres" oder "Wir werden die Schahidin von Kafr Kana nicht vergessen". Ein weiteres Schild trug die Aufschrift. "Der Staat Israel ist ein terroristischer Staat".
Ein Demonstrant sagte der Online-Ausgabe der Tageszeitung "Yediot Aharonot" (ynet): "Wir sind gegen Peres' Besuch in Nazareth, weil er derjenige war, der verantwortlich war für das Massaker von Kafr Kana. Er wollte arabischen Häftlingen keine Amnestie gewähren, tat dies aber für Terroristen aus dem jüdischen Sektor." Der Demonstrant bezog sich auf die Operation "Früchte des Zorns" 1996 im Südlibanon. Israel hatte später zugegeben, dass das Militär versehentlich auf Flüchtlinge in der Ortschaft Kafr Kana gefeuert habe. 100 Menschen wurden getötet. Peres war zu jener Zeit Premierminister des jüdischen Staates.
Nach Angaben der Polizei war die Protestaktion nicht genehmigt. Mehrere Demonstranten hätten die öffentliche Ordnung gestört und randaliert. Ein Teilnehmer, der eine Fahne trug, habe einen Polizisten angegriffen. Es gab drei Festnahmen.
Bereits in der vergangenen Woche hatten politische und soziale Gruppen ihre Absicht erklärt, gegen den geplanten Besuch des Staatspräsidenten zu protestieren. Sie forderten eine Absage. Peres setzte seinen Aufenthalt trotz der Proteste fort.
***************************************************************************
ISRAELNETZ, Montag, 20. Februar 2012
Von A. Wirth
Raheb in Berlin: Kirche verteidigt umstrittenen Pfarrer
BERLIN (inn) - Der Berliner "Jerusalemverein" hat den palästinensischen Pfarrer Mitri Raheb bei seinem Besuch in Berlin in Schutz genommen. Am Freitag soll er mit dem "Deutschen Medienpreis" ausgezeichnet werden. Kritiker werfen Raheb Antisemitismus vor. Am Sonntag sprach er in Berlin über die Zukunft der palästinensischen Christen.
Raheb trat am Sonntag beim 160. Geburtstag des Jerusalemvereins im Berliner Missionswerk, das wiederum der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) angegliedert ist. Der Vorsitzende des "Jerusalemvereins", Bischof Hans-Jürgen Abromeit, sprach angesichts der Kritik gegen Raheb von einer "Verleumdungskampagne". Raheb habe niemals das Existenzrecht Israels bestritten, geschweige denn, eine extremistische politische Agenda verfolgt. Auch antisemitische Einstellungen seien seinen Texten nicht zu entnehmen.
Mitri Raheb soll am Freitag für seinen Einsatz zur Verständigung von Christen, Juden und Muslimen mit dem "Deutschen Medienpreis" des Unternehmens "Media Control" ausgezeichnet werden. Das stieß in den vergangenen Wochen auf heftige Kritik. Der Präsident der "Deutsch-Israelischen Gesellschaft", Reinhold Robbe, kritisierte laut "Evangelischem Pressedienst" (epd), der evangelische Theologe Raheb sei "ganz wesentlich" verantwortlich für das umstrittene "Kairos-Papier" von palästinensischen Christen, in dem unter anderem ein Boykott israelischer Waren befürwortet wird. Zudem ergingen Protestbriefe an den ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, der die Laudatio auf den palästinensischen Theologen Raheb halten soll. Die "Deutsche Initiative für den Nahen Osten" verteidigte die Preisvergabe an Pfarrer Raheb. Vorwürfe gegen ihn seien unbegründet und verzerrend, sagte der Sprecher der Initiative, Manfred Erdenberger. Gleichwohl ist Raheb Mitunterzeichner des "Kairos-Papiers".
"Die Europäer lassen euch fallen"
In Berlin sagte Raheb am Sonntag, die Solidarität bedeute ihm sehr viel. In seinem Festvortrag sprach er über die Zukunft der palästinensischen Christen angesichts des arabischen Frühlings. Die Revolution sei zugleich Chance und Herausforderung: "Ich weiß nicht, ob wir ihr gewachsen sind", gab er zu. So rief er die palästinensischen Christen dazu auf, nicht auf die Worte westlicher Politiker zu vertrauen: "Bitte, nicht in diese Falle tappen. Öl ist letzten Endes wichtiger als Menschenrechte", sagte Raheb, und weiter: "Die Europäer lassen euch fallen."
Die Christen rief er dazu auf, ihre eigene Version einer neuen arabischen Welt, geleitet durch christliche Werte, durchzusetzen. Gleichheit, Freiheit und Pluralismus solle die Region demnach künftig prägen. Ohne die Lösung der "Palästinenserfrage" habe sie allerdings keine Zukunft. Christen sollten zudem in gesellschaftsrelevante Theologie und in Bildung und Entwicklung investieren und sich gegen wachsende fundamentalistische Strömungen im Juden- und Christentum sowie im Islam wehren. Ziel müsse ein "denkender und in der Liebe agierender Glaube" sein, der auch Kirchenoberhäupter in Frage stelle.
Raheb sieht eine zunehmende Verdrängung der Christen aus der arabischen Welt kommen. In Anbetracht dessen forderte er ein Zusammenstehen der Christen Europas und des Nahen Ostens. Im Angesicht einer herannahenden Katastrophe seien Gläubige dazu aufgerufen, "Räume der Hoffnung" zu schaffen.
"Leiser Friedensstifter" oder Rassist?
Raheb wirkt seit 1988 an der evangelisch-lutherischen Weihnachtskirche in Bethlehem. Dort hat er die "Dar-al-Kalima-Schule" gegründet, die mittlerweile zum zweitgrößten privaten Arbeitgeber in der Gegend der Autonomiestadt geworden ist. Die Jury des "Deutschen Medienpreises" will Raheb als "leisen Friedensstifter" ehren. "Mitri Raheb ist mit einer großen Leidenschaft ausgestattet, das Evangelium von Jesus Christus zu verkündigen. Er arbeitet beharrlich an einem nachhaltigen Frieden im Mittleren Osten. Raheb ist ein Visionär, der neue Wege in der Erziehung und im Gesundheitsbereich gegangen ist", würdigt ihn auch der Vorsitzende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika, Mark S. Hanson.
Zu den schärfsten Kritikern Rahebs gehört der Historiker Malcom Lowe. Bei der Schweizer Agentur "Audiatur" veröffentlichte er eine Analyse einer Grundsatzrede Rahebs bei einer Konferenz in Bethlehem im Jahr 2010. Er wirft ihm Rassismus und Hetze sowie eine Verdrehung theologischer Lehren vor. So habe Raheb behauptet, dass er, der Palästinenser, authentischer Nachfahre des Königs David und Jesu sei und identisches DNA habe, während der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu keinerlei Blutsverwandtschaft mit David und Jesus habe. Denn die europäischen Juden seien erst im Mittelalter zum Judentum konvertiert. Dieses kommentiert Lowe mit den Worten: "Nicht nur zeigt Raheb sich hier schamlos rassistisch, er hat auch nicht den geringsten Beweis, um seine Behauptungen zu stützen. Über Netanjahus Abstammung weiß er nichts, und er selbst könnte genauso von griechischen Pilgern oder europäischen Kreuzfahrern abstammen."
Lowe fährt fort: "Dem 'neuen Denken' Rahebs liegt vor allem eine Absicht zugrunde: zu zeigen, dass die Bibel bei der Rede vom auserwählten Volk die heutigen Palästinenser und insbesondere die palästinensisch-arabischen Christen meint. Bei aufmerksamer Lektüre der 'palästinensischen Theologie' von Raheb, Ateek und ihresgleichen wird deutlich, dass diese Behauptung über die Auserwähltheit der Palästinenser bei gleichzeitigem Ausschluss Israels den ganzen Sinn und Zweck der Übung bildet."
***************************************************************************
ISRAELNETZ; Freitag, 17. Februar 2012
Von Martina Schubert
Abkommen zwischen Israel und Zypern
NIKOSIA (inn) - Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und der zypriotische Präsident Dimitris Christofias haben am Donnerstag ein bilaterales "Such- und Rettungs-Abkommen" abgeschlossen. Es erlaubt israelischen Militärflugzeugen und Marineschiffen, Luftraum und Hoheitsgewässer des Inselstaates zu nutzen.
Netanjahu und Christofias stritten ab, dass Israel den Luftwaffenstützpunkt Paphos im Südwesten Zyperns nutzen möchte. Der zypriotische Präsident sagte: "Das Thema war überhaupt nicht auf der Agenda." Das Abkommen hat laut offiziellen israelischen Vertretern keine militärische Bedeutung. Es diene nur der gegenseitigen Unterstützung in Notlagen, schreibt die israelische Tageszeitung "Jerusalem Post".
Zypern sandte im Dezember 2010 ein Flugzeug und einen Hubschrauber, um den Waldbrand auf dem Berg Karmel zu bekämpfen. Israel unterstützte Zypern im vergangenen Jahr mit Generatoren, als nach einer Explosion die Stromversorgung durch das Hauptkraftwerk zusammengebrochen war.
Während des Treffens bekundete Netanjahu das Interesse Israels am Erdgas im Mittelmeerraum. In der "Jerusalem Post" hieß es zudem, dass die Türkei gedroht habe, Zyperns Erdgassuche an der türkischen Küste zu unterbinden. Mit Netanjahu reiste erstmals ein israelischer Premierminister auf die benachbarte Mittelmeerinsel. Der griechische Teil der Republik Zypern ist seit Mai 2004 Mitglied der Europäischen Union.
***************************************************************************
Elie Wiesels und Simon Wiesenthals Eltern getauft
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 15. Februar 2012
Sie sind von den Nazis als Juden in den Tod geschickt worden und wurden posthum zu Christen getauft. Amerikanische Mormonen unterhalten nicht nur große Datenbanken mit Stammbäumen, sondern nutzten die gesammelten Informationen dazu, auch die Seelen von toten Juden zu retten.
Der bekannte Auschwitz-Überlebende und Friedens-Nobelpreistrräger Elie Wiesel hatte von einer ehemaligen Forscherin der Mormonen, Helen Radkey, erfahren, dass auch sein Vater und seine Großmutter mütterlicherseits in die Mormonen-Datenbank eingefügt worden seien. Die Mormonen wussten offenbar nicht, dass Wiesel noch am Leben ist.
Das sei "skandalös" erklärte Wiesel, und forderte den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney auf, mit den "Leuten seiner Kirche" zu reden, um diesen Vorgang zu unterbinden.
Ein Sprecher der Mormonenkirche sagte, dass Wiesels Verwandte nur in die Datenbank aufgenommen, nicht aber zur Taufe freigegeben worden seien. Die Aufnahme des noch lebenden Elie Wiesel sei ein "Fehler" gewesen. Sie seien inzwischen aus der Datenbank wieder entfernt worden.
Zuvor hatte sich ein Sprecher der Mormonen, Scott Trotter, dafür entschuldigt, die Eltern des österreichischen Nazijägers Simon Wiesenthal, beide im Holocaust umgekommen, posthum zu Christen gemacht zu haben. Seine Kirche "bedauere ernsthaft die Taten eines einzelnen Mitglieds, die zur unpassenden Eingabe dieser Namen geführt hat und eindeutig gegen die Politik unserer Kirche verstößt." Jener Person sei der Zugang zu den Genealogie-Datenbanken "auf ewig" gesperrt worden.
Bei dem Brauch, Menschen für eine posthume Taufe bereitzustellen, bietet ein Lebender dem Toten "Hilfe" an, Mitglied der Kirche Jesu Christen der Heiligen der Letzten Tage zu werden. Mormonen halten das gemäß einem Bericht der israelischen Zeitung Haaretz für eine "moralische Pflicht".
Elie Wiesel habe schon 2010 ein Abkommen mit den Mormonen durchgesetzt, wonach Holocaust-Opfer von jenen nachträglichen Taufen ausgeschlossen würden. (C) Ulrich W. Sahm
***************************************************************************
Der befürchtete Flächenbrand in Nahost
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 16. Februar 2012
"Der Westen ist alarmiert, fürchtet einen Flächenbrand in Nahost." Solche Sätze stehen fast in jedem Aufsatz zu dem angeblich bevorstehenden israelischen Angriff auf das iranische Atomprogramm. Aus deutschen Medien erfährt man, dass in Israel darüber "laut nachgedacht" werde, obgleich in Israel selbst von diesem "lauten Nachdenken" nicht viel zu bemerken ist. Bis ins letzte technische Detail wird in Europa spekuliert, wie sich der israelische Lauftangriff gestalten werde. Während der Bau einer iranischen Atombombe bezweifelt wird, wird der israelische Wille, Iran angreifen, als Tatsache in den Raum gestellt. Beigefügt wird stets auch der befürchtete "Flächenbrand in Nahost". Die Möglichkeit, dass Iran seine offen ausgesprochenen Absichten ernst meint, Israel und die Juden bis zum Jahr 2014 physisch auszulöschen, wird übergangen. Man findet kaum Analysen, wie die Welt ohne Israel aussehen würde und ob das einen "Flächenbrand" zur Folge hätte.
Für die Flächenbrand-Theorie werden meistens nur herkömmliche Klischees einer Feindschaft zwischen Israel und arabischen Staaten herangezogen. Die Umwälzungen des "Arabischen Frühlings" werden kaum oder gar nicht beachtet.
Ausgerechnet russische Experten wie Alexander Skakow scheinen da einen sachlicheren Durchblick zu haben als die meisten westlichen Analytiker. Skakow spekuliert, dass Israel, wenn überhaupt, erst nach dem Sturz des syrischen Präsidenten Baschar Assad im Iran angreifen würde. Das ist eine einsichtige Beobachtung. Denn die Vorstellung eines nahöstlichen Flächenbrandes macht nur Sinn, wenn neben Iran auch seine Verbündeten mitspielen.
Mit dem Wegfall des derzeitigen syrischen Regimes in Syrien würde es für die Hisbollah im Libanon und die Hamas im Gazastreifen eher eng werden. Vor allem die mit iranischen Raketen hochgerüstete Hisbollah wäre dann vom Nachschub aus Iran über Syrien abgeschnitten. Ob die voraussichtlich isolierte Hisbollah dann noch bereit wäre, zugunsten des Iran mit einem Krieg gegen Israel "Selbstmord" zu begehen, wird laut israelischen Beobachtern bezweifelt. Jetzt schon sei die Hisbollah wegen dem ungewissen Ausgang der Unruhen in Syrien vorsichtig geworden. Sie könnte deshalb aus Eigeninteresse auch zu Iran auf Distanz gehen. Gleiches gilt für die Hamas. Die klagt schon über finanzielle Engpässe wegen dem Ausbleiben von Geldern aus Iran.
Die demokratische Machtergreifung der Moslembrüder und der noch radikaleren Salafiten in Ägypten könnte zusätzlich den palästinensischen Moslembrüdern, der Hamas, die Hände binden. Solange die neuen Herrscher in Kairo aus pragmatischen Erwägungen kein Interesse haben, den Friedensvertrag mit Israel aufzukündigen, dürften sie ihren Brüdern im Gazastreifen kein grünes Licht geben, durch "legitimen Widerstand" etwa mit Raketenbeschuss die Front gegen Israel anzuheizen.
Der russische Experte Skakow erwähnt andere Entwicklungen, die sonst bei Spekulationen rund um einen israelischen Angriff auf Iran kaum beachtet werden. Spätestens seit dem Libanonkrieg 2006 gegen die Hisbollah verwandelte sich Israel zum stillen Verbündeten der arabischen Emirate am Persischen Golf und Saudi Arabiens. Weil diese sunnitischen Staaten auf einen Sieg Israels gegen den schiitischen Verbündeten des Iran im Libanon hofften, drängte die Arabische Liga 2006 nicht zu einen sofortigen Waffenstillstand. Die USA boten den Saudis und anderen verbündeten arabischen Staaten Waffenlieferungen im Wert von Dutzenden Milliarden Dollar an, damit die sich gegen eine mögliche iranische Aggression besser schützen könnten. Im Juli 2011 äußerte Israel angeblich keine Bedenken gegen die Lieferung deutscher Panzer an Saudi Arabien. Es ist offenkundig, dass sich die Kräfteverhältnisse, die Interessen und die stillen Bündnisse im Nahen Osten geändert haben.
Laut der Prognose von Skakow werden "Georgien, die Türkei und Israel sowie einige Golf-Monarchien, unter anderem Saudi-Arabien und Katar, zur Anti-Iran-Koalition gehören". Die Feindseligkeit zwischen Schiiten und Sunniten steckt tiefer, als die traditionelle Kriegslust gegen Israel und die ohnehin nur vorgeschobene Solidarität mit den Palästinensern.
Das mag manchen Analytikern in Mitteleuropa abwegig klingen. Gleichwohl ist kaum bekannt, dass Israel in Katar eine Botschaft unterhält, bei der alle Diplomaten einen nicht-israelischen Pass in der Tasche tragen. Auch die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei sind längst nicht mehr so schlecht, wie noch vor einigen Monaten. Von einem Flächenbrand im Nahen Osten, wie er an die Wand gemalt wird, kann also keine Rede sein. Neben Israel wären in erster Linie die Ölemirate, Saudi Arabien, die amerikanischen Truppen in Kuwait und Bahrein sowie der ganze Westen durch eine von Iran angedrohte Schließung der Straße von Hormus unmittelbar betroffen.
Laut Sergej Michejew, Generaldirektor des Instituts für die Zusammenarbeit im Raum des Kaspischen Meeres, erhalte vielmehr Russland als Folge eines Kriegs gegen Iran "einen ohnehin instabilen Nordkaukasus, ein in den Krieg einbezogenes Aserbaidschan, die aserbaidschanisch-armenischen Probleme um Berg-Karabach und Probleme im Süden des Kaspi-Raums". Dies würde "separatistische terroristische Bewegungen im Nordkaukasus anspornen".
So machten diese russischen Experten Moskau bei einer von RIA-Novosti veröffentlichten Pressekonferenz auf Aspekte aufmerksam, die von westlichen Experten der arabischen Welt und des Nahostkonflikts kaum jemals beachtet werden. (C) Ulrich W. Sahm
***************************************************************************
ISRAELNETZ, 16. Februar 2012
Von M. Schubert
Waffenlager in Kindergarten gefunden
BAT JAM (inn) - In einem Kindergarten in Bat Jam hat die Polizei am Mittwoch eine große Anzahl an Waffen entdeckt. Dutzende Kinder wurden evakuiert.
In dem Lager fanden sich Pistolen, Gewehre, Granaten und auch Drogen. Die Polizei nimmt an, dass eine kriminelle Organisation die Waffen in der Kindertagesstätte gelagert hat, weil dort vermutlich keiner danach suchen würde. Nachdem sie Hinweise zu den Waffen erhalten hatten, sollen die Kriminalbeamten innerhalb weniger Minuten das Lager in der Nähe eines Platzes, wo Kinder spielten, entdeckt haben. Ein offizieller Vertreter der Polizei des Bezirks Tel Aviv sagte laut der israelischen Tageszeitung "Yediot Aharonot": "Das ist ein großes Wunder. Ich möchte nicht daran denken, was passiert wäre, wenn die Kinder an die Waffen gekommen wären." Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen.
***************************************************************************
ISRAELNETZ, 15. Februar 2012
Von M. Schubert
Tel Aviv: Busse am Schabbat?
TEL AVIV (inn) - Tel Avivs Bürgermeister, Ron Huldai, hat für seine Stadt öffentlichen Transport am Schabbat gefordert. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er, Israel sei der einzige Staat, in dem an einem Viertel der Tage im Jahr keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren.
"Wir müssen uns fragen - was macht eine Person, die sich kein Auto leisten kann und ihre Familie besuchen oder an den Strand gehen will", zitiert die israelische Tageszeitung "Yediot Aharonot" Huldai. Der aktuelle Zustand "schädigt die ordentliche Entwicklung des Staates und zudem können die Bürger nicht ihre teuren und umweltverschmutzenden Autos stehen lassen." Huldai forderte das Verkehrsministerium auf, den Bedürfnissen der Bürger nachzukommen.
Als Teil einer neuen Kampagne hatten letztes Wochenende rund 100 "Free Israel"-Aktivisten (etwa "befreit Israel") an Haltestellen in Tel Aviv auf den Bus "gewartet". Auf ihren Transparenten habe gestanden: "Am Schabbat auf den Bus warten".
Der Vorsitzende der "Free Israel"-Kampagne sagte laut "Yediot Aahronot": "Es gibt kein Gesetz, welches öffentlichen Verkehr am Schabbat verbietet. Man benötigt die Zustimmung des Verkehrsministeriums und unsere Niederlassung in Tel Aviv hat entschieden, diesen Dialog zu fördern." Er wies darauf hin, dass es in Städten wie Eilat und Haifa öffentlichen Personentransport am Schabbat gibt.
Im vergangenen Juni hatte der Abgeordnete Nitzan Horowitz (Meretz) bei der Knesset einen Gesetzesentwurf für öffentliche Verkehrsmittel am Schabbat eingereicht. Dieser wurde abgelehnt. Benjamin Babajof, Mitglied des Tel Aviver Stadtrates, sagte: "Der erste Bürgermeister von Tel Aviv, Meir Dizengoff, wollte die Gefühle der religiösen Bürger beachten. Sogar kommunistische Regime haben diese mit in Betracht gezogen." Ein Sprecher des Verkehrsministeriums, Avner Ovadia, erklärte: "Schabbat und Richtlinien zum Ruhetag des öffentlichen Verkehrs wurden in Übereinstimmung mit der Knessetentscheidung von 1991 und Transportregulierungen gemacht." Nach dieser Entscheidung gibt es Buslinien, die vor dem Schabbat bedient werden und Linien, die nach dem Tag bedient werden.
***************************************************************************
Terrorwelle oder Zufall
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 15. Februar 2012
Die Liste der ostasiatischen Hauptstädte, in denen Bombenanschläge erfolgreich waren oder rechtzeitig vereitelt werden konnten, wird fast täglich länger: Bangkok, Neu Delhi, Tiblisi und andere. In Georgien entdeckte ein Mitarbeiter der israelischen Botschaft rechtzeitig ein Sprengstoffpaket unter dem Botschafterwagen. In Neu Delhi wurde von einem vorbeifahrenden Motorrad eine Bombe auf den Wagen einer israelischen Diplomatin geworfen. Sie überlebte schwer verletzt. In Bangkok gestanden verhaftete Männer mit iranischen Ausweisen, also "mutmaßliche Iraner", einen Anschlag auf die israelische Botschaft geplant zu haben. In ihrer Wohnung ging zuvor eine Bombe hoch, was das Dach wegriss. Einer der verletzten "mutmaßlichen" Iraner warf eine Bombe auf einen Polizisten, doch der Sprengsatz prallte an einen Baum, flog zurück, explodierte und riss dem "Iraner" beide Beine ab.
Natürlich mag es Zufall sein, dass diese fast zeitgleichen Anschläge rund um den Todestag des Imad Mughnije fallen, dem ehemaligen "Generalstabschef" und weltweit meistgesuchten Terroristen der libanesischen Hisbollah-Miliz. Eine Bombe in der Kopfstütze seines Autos hatte Mughnije 2008 in Damaskus getötet. "Selbstverständlich" wird der israelische Mossad verdächtigt, Mughnije ermordet zu haben.
Der hatte viele schwere Anschläge in aller Welt geplant, so auch auf die israelische Botschaft und das jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires vor zwanzig Jahren. Der Sprengstoff sei per Diplomatenpost der iranischen Botschaft nach Argentinien geschmuggelt worden. Fest steht, dass die eng mit Iran verbündete Hisbollah die Attentate verübt hat. Mughnije, von dem kaum ein Foto existiert, habe perfektes persisch gesprochen und bei Beratungen in Teheran volontiert, die Teilnehmer zu fotografieren, nur um nicht selber abgelichtet zu werden.
Weil Iran und Hisbollah Rache für den ungesühnten Tod Mughnijes geschworen haben, wurden israelische Botschaften und jüdische Einrichtungen in aller Welt schon vor der Anschlagsserie in höchste Alarmstufe versetzt. In ostasiatischen Staaten, wo Geheimdienst und Polizei als wenig effektiv gelten, veröffentlichte Israel akute Terrorwarnungen für Reisende und Geschäftsleute, während Diplomaten die Anweisung erhielten, ihre Wohnungen möglichst nicht zu verlassen.
Nur wenige Stunden nach dem Anschlag auf die Diplomatin in Neu Delhi erklärte Außenminister Avigdor Liberman, dass er die Täter "identifizieren" könne und dass "Israel nicht zur Tagesordnung" übergehen werde. Zwei Stunden später sprach Ministerpräsident Benjamin Netanjahu offen aus, was sein Vize nur angedeutet hatte: Hinter den Anschläge stecke Iran.
Israelische Medien erwähnen die "El Kuds Gruppe", eine Abteilung der iranischen Revolutionsgarden. Sie verfüge - ähnlich wie die Hisbollah -über Schläferzellen in vielen Ländern. Die von Khamenei geleiteten "El Kuds" könnten jederzeit für Anschläge im Ausland eingesetzt werden.
Iran und die Hisbollah lenken den Verdacht auf sich selber. In den vergangenen Tagen kündigten sie wiederholt die Vernichtung Israels und des jüdischen Volkes bis 2014 öffentlich an. Irans Präsident und der geistige Führer Ali Khamenei protzten zudem, 2006 und 2008 zusammen mit Hisbollah und Hamas die "siegreichen" Kriege gegen Israel angezettelt zu haben. Ob die Polizei in Georgien, Thailand und Indien in Kooperation mit Mossad-Agenten die Spuren bis nach Teheran nachweisen können, muss noch abgewartet werden.
Beachtenswert sind die ungewöhnlich scharfen Reaktionen des UNO-Generalsekretärs, der amerikanischen Außenministerin und der EU-Kommissarin Catherine Ashton auf den Anschlag in Indien, bei dem gezielt eine Bombe auf ein israelisches Diplomatenfahrzeug geworfen worden war. Die westlichen Staaten schweigen zu zahllosen Terroranschlägen, aber wenn es Diplomaten trifft, reagieren sie empfindlich. Botschaften gelten als exterritorial, sodass Attacken auf Diplomaten einem Angriff auf die von ihnen vertretenen Ländern entsprechen und einer Kriegserklärung gleichkommen.
So drohten die USA den Ägyptern nach dem Sturm auf die israelische Botschaft in Kairo mit einer Einstellung amerikanischer Finanzhilfe. Sechs israelische Diplomaten wurden in letzter Sekunde aus akuter Lebensgefahr gerettet. Der Sturm auf die amerikanische Botschaft in Teheran 1979 und die Geiselnahme der Diplomaten führte zu einem Abbruch der Beziehungen und tiefer, bis heute nicht auskurierter Feindschaft. 1982 wertete Israel den Anschlag auf seinen Botschafter Schlomo Argov in London als "casus belli", und marschierte in den Libanon ein, um die von Jassir Arafat befehligte PLO aus Beirut zu vertreiben. Auch jetzt wieder fällt das Wort "casus belli", um den amerikanischen Präsidenten Barack Obama zu einem Militärschlag gegen Iran zu animieren, nicht wegen Irans Atombestrebungen, sondern weil Iran als größter Exporteur von Terror gilt. Iran gefährde die "Stabilität der ganzen Welt", formulierte der israelische Premier am Mittwoch.
Terror unterscheidet sich vom klassischen Krieg zwischen Staaten, indem Terrorzellen "unkontrollierter" Organisationen vorgeschickt werden, den Feind zu treffen, ohne dass deren Mäzene zur Verantwortung gezogen werden können. Doch der schwerste aller Terroranschläge vom 9. 11. 2001 in New York zeigte, dass Staaten doch Verantwortung tragen. 2001 rief die NATO den "Verteidigungsfall" aus, weil die Taliban in Afghanistan sich weigerten, den Drahtzieher Osama bin Laden zur Rechenschaft zu ziehen oder auszuliefern. (C) Ulrich W. Sahm
***************************************************************************
ISRAELNETZ, 14. Februar 2012
Von Dana Nowak
Gegen Einsamkeit: Internetzugang für Holocaust-Überlebende
JERUSALEM (inn) - Studien zeigen immer wieder, dass zahlreiche Holocaust-Überlebende im Alter einsam sind. Dagegen wollen die "Stiftung zu Gunsten der Opfer des Holocaust in Israel" sowie das Bildungsnetzwerk "ORT Israel" vorgehen: Sie setzen sich dafür ein, dass die Betroffenen Internetzugänge erhalten.
Im Rahmen dieses Programmes sollen die Senioren Computer und einen Internetzuggang erhalten. Dies solle es ihnen ermöglichen, sowohl Kontakt zu Verwandten und Bekannten aufzunehmen als auch ihre persönliche Geschichte aufzuschreiben. Wie die Tageszeitung "Yediot Aharonot" berichtet, sollen "ORT Israel"-Schüler die Holocaust-Überlebenden dabei unterstützen und ihnen den Umgang mit dem Computer erklären. "ORT Israel"-Direktor Zvi Peleg sagte dazu: "Sich der Überlebenden anzunehmen ist eines der Hauptziele der Freiwilligentätigkeit der Einrichtung.
***************************************************************************
Weitere geheime Emails von Assad
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 13. Februar 2012
Iran hat versprochen, mit einer Milliarde Dollar den Syrern zu helfen, internationale Sanktionen zu umgehen und den Einnahmeverlust durch das Ölembargo zu überwinden. Das geht aus Geheimdokumenten hervor, die saudische Hacker aus geknackten syrischen Email-Konten heruntergeladen und an die israelische Zeitung Haaretz weitergeleitet haben. Eines der Email-Fächer gehörte Mansour Azzam, Minister für Angelegenheiten des syrischen Präsidenten. Haaretz veröffentlichte zwei von Azzam unterzeichnete arabische Dokumente.
Ein Brief von Anfang Dezember, auf dem Höhepunkt der syrischen Massaker an der Bevölkerung, beschreibt den Besuch einer iranischen Delegation in Damaskus. Die Dokumente seien in "einer doppeldeutigen Sprache", so Haaretz", verfasst und beschreiben den syrischen Wunsch, "von den iranischen Erfahrungen zu lernen". Die USA, Türkei und Staaten der arabischen Liga hatten harte Sanktionen gegen Syrien verhängt, Kontakte mit der syrischen Staatsbank abgebrochen und Flüge nach Damaskus unterbunden.
To read the original document in Arabic, click here
Am 8. Dezember 2011 schickte Azzam ein "Memo" an Präsident Assad und andere führende Syrer zu dem Besuch der Iraner, darunter zehn Mitglieder des Amtes von Präsident Mahmoud Ahmadinedschad und Repräsentanten der iranischen Zentralbank.
Aus dem internen Rundschreiben geht hervor, dass Iran eine Milliarde Dollar bereitgestellt habe, um Produkte wie Fleisch, Hühner und Olivenöl einzukaufen. Gleichzeitig sei Iran bereit, Dünger und Rohmaterial für die petrochemische Industrie Syriens mit günstigem Kredit zu verkaufen. Die Iraner wollten prüfen, ein Jahr lang 150.000 Barrel Öl täglich von Syrien aufzukaufen "zwecks Eigenverbrauch oder zum Weiterverkauf", um Syrien zu helfen, das von der EU verhängte Ölembargo zu umgehen. Im Tausch dafür wolle Iran wegen der Sanktionen schwer erhältliche Ersatzteile für Syriens Ölindustrie liefern.
Weil die Türkei ihren Luftraum für syrische Flugzeuge gesperrt hat und die Syrer in den wenigsten europäischen oder arabischen Ländern landen dürfen, wurde besprochen, im Iran einen Umsteigeflughafen für syrische Maschinen einzurichten. Dort sollten die Flugzeuge auch gewartet werden. Ebenso hätte Iran den Syrern einen "Luft-Boden-Korridor" für Warenverkehr angeboten, um die Türkei zu umgehen.
Diskutiert wurde auch die Einrichtung einer gemeinsamen Bank für den Transfer von Geldern über Russland und China. Beide Länder haben sich dem Embargo gegen Syrien nicht angeschlossen. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: "Iran versprach, sein know-how zu Möglichkeiten von Geldüberweisungen von einem Land ins andere zu vermitteln, entsprechend der von Iran gesammelten Erfahrungen."
Der ausgefallene Clinton-Besuch in Damaskus
Im Sommer 2009 hatte der ehemalige US-Botschafter Martin Indyk in Issrael versucht, die unter Präsident Bush "eingefrorenen" Beziehungen zwischen den USA und Syrien "aufzutauen". Das geht aus einem teilweise peinlichen Briefwechsel per Email zwischen Indyk und Bouthaina Shaaban, der Medienberaterin des syrischen Präsidenten Baschar Assad, hervor. Der Schriftwechsel stammt auch aus den von saudischen Hackern geknackt syrischen Email-Konten.
Im Rahmen der Bemühungen des damals frisch gewählten Präsidenten Barack Obama, die schlechten Beziehungen zur arabischen Welt zu verbessern, schlug Indyk den Besuch einer hochrangigen amerikanischen Delegation mit Ex-Präsident "William" (Bill) Clinton an der Spitze in Damaskus vor. Der Besuch mitsamt einer "Audienz" bei Präsident Assad sollte im November 2009 stattfinden, unmittelbar nach einer Konferenz des "Saban-Forums" in Jerusalem.
Die Syrer waren zunächst begeistert. Doch nach mehreren Wochen und weiterem Austausch von Emails zwischen MINDYK@brookings.edu und b.shaaban@mopa.gov.sy erhielt Indyk eine Absage von Clinton wegen einer Redeverpflichtung in New York. Die Begeisterung der Syrer schwand augenblicklich. Obgleich sogar bekannte Senatoren wie John Kerry und Joe Lieberman nach Damaskus kommen wollten, funkte Shaaban nach Washington, dass die Terminkalender aller offiziellen Syrer leider voll seien und dass niemand Zeit habe, die amerikanische Delegation zu empfangen, nicht einmal Außenminister Walid Muallem. So eine Email an "Dear Martin", mit "allerwärmsten Wünschen" von "Deine Bouthaina"
Weitere geheime Emails von Mitarbeitern des syrischen Präsidenten Assad wurden inzwischen von der israelischen Zeitung Haaretz veröffentlicht. Saudische Hacker der Anonymous-Gruppe hatten vor etwa zwei Wochen behauptet, 78 elektronische Postfächer hoher Beamter in Damaskus geknackt und deren Inhalte runtergeladen zu haben. Falls Assad nicht die Attacken seiner Armee auf Zivilisten beende, drohten sie mit einer Veröffentlichung der teils brisanten Emails. Es ist nicht bekannt, wie diese "Post" zur israelischen Zeitung gelangt ist.
Vor einiger Zeiten hatten freilich die saudischen Hacker die Homepage von Haaretz geknackt, sich aber kurz darauf entschuldigt, weil diese linksgerichtete israelische Zeitung "gut" sei. Möglicherweise haben die Hacker daraufhin der Zeitung in Tel Aviv aus Kulanz einen Teil der syrischen Emails überlassen. (C) Ulrich W. Sahm
http://www.haaretz.com/news/middle-east/haaretz-exclusive-the-clinton-assad-meeting-that-never-happened-1.411776
http://www.haaretz.com/print-edition/news/haaretz-exclusive-syria-documents-show-iran-helping-assad-to-sidestep-sanctions-1.412353
***************************************************************************
Anschlag in Indien gegen israelische Diplomaten
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 13. Februar 2012
Bei einer Explosion in der Nähe der Residenz des indischen Premierministers in Neu Delhi ist eine Bombe an einem Fahrzeug der israelischen Botschaft explodiert. Vier Menschen wurden verletzt, darunter die Frau des israelischen Militärattachés, die alleine in dem Wagen mit Diplomatennummer "109 CD 35" fuhr. Nach Angaben der indischen Polizei sei vor der Explosion ein Motorrad an dem Auto vorbeigefahren. Der Mitfahrer habe einen Sprengsatz an dem Fahrzeug der Israeli vermutlich mit einem Magnet befestigt. Kurz darauf sei es zu der Explosion gekommen.
Der israelische Rundfunk berichtete live aus Indien und erwähnte, dass die libanesische Miliz Hisbollah den Jahrestag der gezielten Tötung ihres früheren Militärchefs Imad Mughniyeh in Damaskus 2008 begehe. Mughniyeh war einer der weltweit meistgesuchten Terroristen. Bis heute ist unklar, wer Mughniyeh durch einen Sprengsatz in der Kopfstütze seines Autos getötet hat. Die Hisbollah verdächtigt den israelischen Mossad und hat Rache geschworen.
Ebenso wurde berichtet, dass der Anschlag in Neu Delhi große Ähnlichkeit mit Anschlägen auf Atomphysiker in Teheran zeige. Auch sie wurden in ihren Fahrzeugen getötet, nachdem Motorradfahrer mit einem Magnet Sprengsätze an ihren Autos befestigt hatten.
Israels Außenminister erklärte, dass er "die Täter des Terroranschlags in Indien identifizieren" könne, und dass Israel "nicht zur Tagesordnung übergehen" werde.
Schon vor einigen Tagen wurden alle israelischen Botschaften in der Welt in "höchste Alarmbereitschaft" versetzt, wegen akuter Anzeichen für geplante Terroranschläge vor allem gegen Diplomaten.
Ein Mitarbeiter der israelischen Botschaft in Georgien hatte am Morgen rechtzeitig ein Sprengstoffpaket unter seinem Wagen entdeckt und die Polizei gerufen, ehe das Paket explodierte.
Israelische Experten behaupten, dass auch Iran hinter den Anschlägen stecken könne. In letzter Zeit hat es versuchte Anschläge gegen Israelis auch in Aserbaidschan und Thailand gegeben. Alle betroffenen Länder hätten in jüngster Zeit ihre Beziehungen zu Israel zum Missfallen des Iran spürbar verbessert. (C) Ulrich W. Sahm
***********************************************************
ISRAELNETZ; Montag, 13. Februar 2012
Von M. Schubert
Israelis würdigen Whitney Houston
JERUSALEM (inn) - Israels Vizeaußenminister Danny Ajalon und der Gemeindeleiter der "Schwarzen Hebräer" gedenken der Souldiva Whitney Houston. Sie war am Samstag tot in ihrem Hotelzimmer in Beverly Hills aufgefunden wurden. Im Frühjahr 2003 besuchte die Sängerin zusammen mit ihrem damaligen Ehemann Bobby Brown und ihrer Tochter Bobbi Kristina eine Woche lang den jüdischen Staat.
Israels Vizeaußenminister Ajalon äußerte sich via Twitter zum Tod Houstons: "Ruhe in Frieden, Whitney Houston. In Erinnerung an die verstorbene großartige Sängerin, die zum 'geistlichen Rückzug' nach Israel kam und über unser Land als 'Zuhause' dachte."
Whitney Houston besuchte während ihres Israelaufenthalts 2003 die Gemeinde der "Schwarzen Hebräer". Der Gemeindeleiter, Ben Ammi Ben-Israel, bezeichnete am Sonntag die mit 48 Jahren verstorbene Sängerin als seine "geistliche Tochter". Das schreibt die israelische Tageszeitung "Yediot Aharonot" unter Berufung auf ein "Kanal 2"-Interview mit Ben-Israel. Er habe sie erst kürzlich wieder nach Israel eingeladen, "um ihr zu helfen, ihre Probleme zu überwinden". Die Sängerin soll Drogen- und Alkoholprobleme gehabt haben.
Im Rahmen ihrer Reise 2003 wurde die Sängerin auch von dem damaligen Premierminister Ariel Scharon in seiner Residenz in Jerusalem empfangen.
***********************************************************
Fundsache: Klagemauer zu erwerben
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 14. Februar 2012
Für nur 4,99 US Dollar gibt es bei dem Internet-Versteigerer Ebay "Steine von der Klagemauer" zu kaufen. Sie werden in einer "eleganten" Geschenkbox von Tel Aviv aus per Luftpost verschickt und würden "Segen spenden".
http://www.ebay.com/itm/Holy-Temple-Western-Wall-Jerusalem-blessing-stone-/150549320951?pt=LH_DefaultDomain_0&hash=item230d7054f7
Der anonyme Verkäufer behauptete, kleine Steine auf dem Vorplatz der Klagemauer, dem wichtigsten Heiligtum der Juden in Jerusalem, aufgesammelt zu haben.
Das Angebot löste Empörung in der jüdischen Welt aus. Der verantwortliche Rabbiner der Klagemauer, Schmuel Rabinovitz, reichte bei der Polizei eine Beschwerde ein, wegen eines Verstoßes gegen religiöse und weltliche Gesetzte. Er forderte Ebay auf, den Verkauf dieses Frevels einzustellen. Tatsächlich wurde in den Mittagsstunden der Verkauf bei Ebay "eingestellt", nachdem mehrere israelische Zeitungen darüber berichtet hatten.
Der Rabbiner hatte von dem Verkaufsangebot durch Juden im Ausland erfahren, die meinten, dass es sich hierbei um eine "Entweihung" der Klagemauer handle. Tatsächlich erklärte der Rabbiner den Verkauf der Steine zu einer "Sünde", weil das jüdische Religionsgesetz eine "Zweckentfremdung sakraler Gegenstände" verbiete. Zudem verstoße das Einsammeln von Steinen an einer archäologischen Stätte gegen scharfe Gesetze gegen Antiquitätenraub.
Rabinovitch verkündete potentiellen Käufern der Steine, dass sie statt eines "Segens" einen "Fluch" erhielten. Der Klagemauerrabbiner erzählte bei der Gelegenheit die Geschichte eines Mannes, dessen Frau erkrankt war. Der Mann sammelte einen Stein nahe der Klagemauer auf und legte ihn unter den Kopf seiner Frau, in der Hoffnung, dass der "Segen" ihr helfen werden. Doch just in dem Augenblick verstarb sie. (C) Ulrich W. Sahm