CHAVERIMS LESEMOMENT 3

05.01.2026

Volker Weidermann,

Wenn ich eine Wolke wäre – Mascha Kaleko Und die Reise ihres Lebens

Buch: Kiepenheuer & Witsch, 978-3-462-00863-0, 2025, EUR 23,00

e-book: Kiepenheuer & Witsch,  978-3-462-31355-0, 2025, EUR 19,99 

5 Sterne

Der Autor erweckt Mascha Kaleko zum Leben 

Am 21. Januar 2025 war der 50. Todestag der Lyriker Mascha Kaleko. Leider habe ich das Gefühl, dass dieser Termin etwas untergegangen ist. Denn auch dieses Buch von Volker Weidermann ist erst im Oktober 2025 erschienen. Dabei ist Mascha Kaleko ein Phänomen! Sie wurde am 07. Juni 1907 unehelich in Galizien geboren. Zu Beginn es 1. Weltkriegs übersiedelte die Mutter mit ihren inzwischen zwei Töchtern nach Deutschland und landet nach Umwegen in Berlin. Der Vater stieß wieder zur Familie und 1922 heiratete er endlich die Mutter seiner Kinder und nahm sie auch als seine an.

Mascha war ein sehr aufgewecktes Kind, was schon früh zu Schreiben begann. Ihr Traum war es zu Studieren, aber ihr Vater zerstörte diesen Traum, weil er meinte,  dass ein Studium für Mädchen nicht notwendig sei. Mascha fügte sich und begann eine Bürolehre. Bei  Abendkursen lernte sie ihren späteren ersten Mann – Saul Kaleko - kennen. Später verliebte sie sich stürmisch in den Dirigenten und Musikwissenschaftler Chemjo Vinaver. Mit ihm bekam sie eine Sohn. Die Ehe mit Saul Kaleko wurde einvernehmlich geschieden. Sie behielt den Namen Kaleko als Künstlernamen bei. 1938 emigrierte die junge Familie in die USA und blieb für einige Jahre in New York. 

1933 erschien erstmals „Das lyrische Stenogrammheft“ im Rowohlt Verlag. Mit ihren frischen Gedichten einer jungen Frau ihrer Zeit hatte Mascha Kaleko sofort einen richtigen Erfolgstreffer gelandet. 1934 erschien auch noch ihr Buch „Das kleine Lesebuch für Große“. Erst dann wurde den Nationalsozialisten bewusst, dass diese erfolgreiche junge Frau Jüdin war. Ihre Bücher wurden verboten. Doch „Das lyrische Stenogrammheft“ erlebte erstmals 1956 in einem Band zusammen mit „Das kleine Lesebuch für Große“ ein gelungenes Comeback. Und auch heute ist das Buch, welches immer noch viele Leser:innen berührt, weiterhin neu erhältlich.

Volker Weidermann beginnt sein Buch 1938 zu dem Zeitpunkt, wo die Familie Deutschland verlässt. Gleichzeitig geht er auch gleich auf den 31. Dezember 1955 ein, wo Mascha Kaleko noch einmal aufbricht, um in die entgegengesetzte Richtung zu reisen. Er blickt ein wenig auf ihr bisheriges Leben zurück. Aber das Hauptthema des Buches ist das Jahr 1956, in dem Mascha Kaleko erstmals wieder noch Deutschland zurückkommt. Der Rowohlt Verlag hatte sie bereits mehrmals gebeten zu kommen. Er will „Das lyrische Stenogrammheft“ neu herausgeben. Und dafür muss fiel Autorin durch Deutschland reisen. Da Mascha Kaleko großes Heimweh hatte, hat sie es tatsächlich gewagt. Ihren Mann und ihren Sohn lässt sie vorerst in New York zurück, ist aber in regem Briefkontakt mir Ihnen. 

Der Autor erzählt nun sehr bildhaft und lebendig von dieser Reise. Er fängt die Gefühle der Autorin gut ein und ergänzt seinen Text immer wieder mit dem Abdruck aktueller Gedichte oder Zitaten aus den Briefen. Für die Autorin ist es ein sehr intensives Jahr. Sie sieht ein völlig verändertes Land. Einerseits ist noch vieles zerstört, andererseits vieles neu hinzugekommen. Die meisten Menschen feiern sie. Aber sie bekommt schon mit, dass sich die Menschen natürlich nicht alle geändert haben. 

Mich hat begeistert, wie er die Autorin dargestellt hat. So quirlig und lebhaft. So offen und doch nicht blind für die Gegenwart. 1956 war ein aufregendes Jahr für Mascha Kaleko. Aber Deutschland ist nicht die letzte Station der Autorin.

Das Buch macht richtig viel Spaß. Wer die Gedichte von Mascha Kaleko noch nicht kennt, bekommt danach richtig Lust darauf. Oder auch darauf, mehr über ihr Leben zu lesen. Ich konnte mir Mascha Kaleko direkt vorstellen. Und ich hätte sie sehr  gerne kennengelernt. 

Unverlangte und unbezahlte Werbung. Ich danke NetGalley und dem Verlag, dass sie mir dieses Buch als e-book zur Verfügung gestellt haben.

Die ausführliche Buchbesprechung finden Sie bei bücherkompass.net.